696 (Bevor des Tages Licht ver­geht), 2014

2014, Gebrauch­te Gesang­bü­cher, Instal­la­ti­on, Kurt-Kurt, Berlin

2014 erscheint eine neue Auf­la­ge des katho­li­schen Gesang­buchs „Got­tes­lob“. Die bis­he­ri­ge Auf­la­ge wird dadurch funk­ti­ons- und wert­los, ähn­lich wie bei der Ein­füh­rung einer neu­en Wäh­rung. Die letz­te Auf­la­ge erschien 1975, zufäl­lig dem Geburts­jahr von Albert Coers. Er ist also buch­stäb­lich damit auf­ge­wach­sen. Vie­le der Gesangs­bü­cher tra­gen den Stem­pel der jewei­li­gen Gemein­de als Signa­tur im Schnitt. Die­ses durch sei­ne Her­kunft und Geschich­te inter­es­san­te Mate­ri­al soll nicht „sang-und-klang­los“ ver­schwin­den, wenn es aus­ge­tauscht wird.

Im Pro­jekt­raum Kurt-Kurt wird eine Ver­klei­dung der Innen­wän­de und des Fens­ters mit den 40 Jah­re lang genutz­ten Büchern vor­ge­nom­men. Spe­zi­fisch für die­sen Ort im Geburts­haus von Kurt Tuchol­sky wird eine neu­tra­li­sie­ren­de, mau­er­ar­ti­ge Struk­tur mit einer eige­nen Ästhe­tik geschaf­fen, die Asso­zia­tio­nen an Dämm­ma­te­ri­al her­vor­ruft. Es ent­steht ein Schall-Schutz-Raum aus Gesangs­bü­chern. Ein Para­dox oder eine Ant­wort auf den „neu­en Lärm“ in Moa­bit?
Das Prin­zip der Schich­tung greift die ein­heit­li­che Grö­ße und Form der Bücher auf und führt den Aspekt der Abla­ge­rung von Zeit vor Augen. Auch die Her­kunft des Mate­ri­als spielt eine Rol­le: Die Bücher stam­men zum einen aus Ber­lin, zum ande­ren, in Anleh­nung an die Bio­gra­phie des Künst­lers, auch aus Schwa­ben und Bay­ern, wo sie zuvor in der Kunst­hal­le Göp­pin­gen in einer Instal­la­ti­on ver­wen­det waren. Somit spie­geln sich im Mate­ri­al sozia­le Aus­tausch­pro­zes­se und die Wan­de­rungs­be­we­gun­gen aus Süd­deutsch­land nach Ber­lin wider, eben­so wie regio­nal unter­schied­li­che kon­fes­sio­nel­le Struk­tu­ren.
Der Titel 696 (Bevor des Tages Licht ver­geht) bezieht sich auf Num­mer und Anfang eines Abend­lie­des aus dem Buch. Er variiert/permutiert die Num­mer des Lie­des 669 (Aus mei­nes Her­zens Grun­de), eines Mor­gen­lie­des, die als Titel für die vor­aus­ge­hen­de Aus­stel­lung in der Kunst­hal­le Göp­pin­gen diente. 

12.06. – 05.07.2014, Kurt-Kurt Pro­jekt­zen­tra­le
Ein Pro­jekt von Simo­ne Zaugg und Pfel­der im Geburts­haus von Kurt Tuchol­sky, Lübe­cker Str. 13, 10559 Ber­lin, info@kurt-kurt.de
www.kurt-kurt.de
In Zusam­men­ar­beit mit Kunst­Bü­ro­Ber­lin und Kunst­hal­le Göppingen