AVAN­ZI, Arto­thek Mün­chen

All­täg­li­che Gegen­stän­de, die kei­ne Gebrauchs­funk­ti­on mehr haben, ent­fal­ten in der künst­le­ri­schen Aus­wahl und Ver­ar­bei­tung von Albert Coers ein neu­es Eigen­le­ben, etwa Rest­ex­em­pla­re von Büchern, Eti­ket­ten von Nach­sen­de­auf­trä­gen, beschrif­te­te Fuß­ab­strei­fer. Der ita­lie­ni­sche Titel „AVAN­ZI“ spielt mit der dop­pel­ten Bedeu­tung von „avanz­a­re“, was sowohl „übrig­blei­ben“ heißt, aber auch „vor­wärts­kom­men“. Für die Ein­zel­aus­stel­lung in der Arto­thek sind meh­re­re raum­be­zo­ge­ne Instal­la­tio­nen ent­wi­ckelt.

Im Schau­fens­ter sind Vor­hän­ge aus leuch­tend rotem Kunst­stoff zu sehen (Ten­de), genäht aus Schutz­um­schlä­gen von 2013/14 durch eine Neu­auf­la­ge ersetz­ten Gesang­bü­chern. Die­se wur­den ent­sorgt, geblie­ben sind die Hül­len, die Spu­ren jahr­zehn­te­lan­gen Gebrauchs auf­wei­sen. ORO im Süd­fens­ter nimmt tat­säch­lich vor­han­de­ne Rest­ex­em­pla­re des­sel­ben Buch­typs auf. Sie sind mit ihrem Gold­schnitt zum Betrach­ter gerich­tet und bil­den ein Reli­ef, in dem das Aus­gangs­ma­te­ri­al kaum mehr zu erken­nen ist. In Sca­let­ta sind in Kom­bi­na­ti­on mit einer Lei­ter Rest­be­stän­de des Künst­ler­buchs von Albert Coers Müde Bücher ver­ar­bei­tet. Es ent­hält Fotos von Büchern, die sich durch Belas­tung ver­formt haben. Ein Teil der Auf­la­ge wur­de mit Hin­blick auf eine instal­la­ti­ve Ver­wen­dung mit einem neu­tral-mono­chro­men Cover gedruckt. Die Bücher sind im Lie­fer­zu­stand mit Folie belas­sen und kon­tras­tie­ren mit der Mate­ria­li­tät der Holz­lei­ter. Die drei­tei­li­ge Instal­la­ti­on Biblio­te­ca con­ti­nua­ta trans­for­miert Exem­pla­re des Buchs in mini­ma­lis­ti­sche, spie­gel­ar­ti­ge Objek­te, die sich selbst leicht bie­gen.

Für Biblio­te­ca Bota­ni­ca – fan­tas­mi­ni wur­den Bücher mit kon­kre­tem oder asso­zia­ti­vem Bezug zum The­ma ‚Bota­nik’ aus Büche­rei­en aus­ge­lie­hen und im Regal durch Kar­ten gekenn­zeich­net. Nach Rück­ga­be der Bücher blie­ben die Kar­ten als Kata­log der tem­po­rä­ren Biblio­thek übrig, der, alpha­be­tisch nach Autoren­na­me geord­net, als Wand­in­stal­la­ti­on ein Bild ergibt. Mit Tapet­to bil­det ein Fuß­ab­strei­fer einen star­ken Kon­trast zu den benach­bar­ten Arbei­ten. Es han­delt sich um ein Fund­stück aus dem Eltern­haus des Künst­lers, das Res­te von Buch­sta­ben erken­nen lässt, die man asso­zia­tiv ergän­zen kann. Die Struk­tur des abblät­tern­den Schaum­stoff­be­lags erin­nert an eine Land­schaft.
Im Neben­raum set­zen sich die Arbei­ten mit Fund­stü­cken fort: Bücher mit von Benut­zern abge­ris­se­nen, über­kleb­ten Ein­bän­den, die ihrer­seits auto­no­me For­men und Bil­der erge­ben, Nach­sen­de-Eti­ket­ten von an den Künst­ler umge­lei­te­ter Post, Benach­rich­ti­gun­gen über angeb­li­che Gewin­ne. Die Eti­ket­ten bekom­men durch das Auf­rol­len etwas Plas­tisch-Orga­ni­sches. Ein von einer Biblio­thek aus­sor­tier­tes Selb­st­op­ti­mie­rungs­buch aus den 1960er Jah­ren mit dem Titel DU KANNST MEHR ALS DU DENKST bil­det am Durch­gang zwi­schen den Räu­men der Arto­thek einen Schluss­punkt. Erst beim Blick auf den Buch­rü­cken erkennt man den Autor­na­men, der mit dem Vor­na­men des Künst­lers zusam­men­fällt.


11.7.2014 – 23.8.2014
Finis­sa­ge: 22.8.2014, 19.00 (mit Ange­la Stau­ber)

Arto­thek & Bil­der­saal
Kunst­ver­leih und Aus­stel­lungs­raum
Rosen­tal 16, 80331 Mün­chen

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