AVANZI, Artothek München

Artothek & Bildersaal
Kunstverleih und Ausstellungsraum
Rosental 16, 80331 München

Eröffnung: Donnerstag 10.7. 2014 19 h
Dauer der Ausstellung: 11.7.2014 – 23.8.2014
Führungen: So, 20.7. /27.7. jeweils 15.30
Finissage: 22.8.2014, 19.00 (in Zusammenarbeit mit Angela Stauber)
Tel. (089) 23 26 96 35
artothek.kulturreferat@muenchen.de

Geöffnet: Mittwoch bis Freitag 14 – 18, Do. 14 – 19.30, Sa. 9 – 13

Alltägliche Gegenstände, die keine Gebrauchsfunktion mehr haben, entfalten in der künstlerischen Auswahl und Verarbeitung von Albert Coers ein neues Eigenleben, etwa Restexemplare von Büchern, Etiketten von Nachsendeaufträgen, beschriftete Fußabstreifer. Der italienische Titel „AVANZI“ spielt mit der doppelten Bedeutung von „avanzare“, was sowohl „übrigbleiben“ heißt, aber auch „vorwärtskommen“. Für die Artothek sind mehrere raumbezogene Installationen entwickelt.

Albert Coers: Scaletta, 2014. Exemplare des Künstlerbuchs Albert Coers: Müde Bücher, Holzleiter

Biblioteca botanica – fantasmini, 2006-14, Stellvertreterkarten von ausgeliehenen Büchern mit Bezug über Autor oder Titel zur Botanik; Scaletta, 2014,  Exemplare des Künstlerbuchs Müde Bücher, Holzleiter

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Scaletta; ORO, Restexemplare von Gesangbüchern

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Copertine (tende), 2014

Custodie (tende), 2014, Schutzumschläge, Kunstoff, Nähgarn

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Tappeto, 2014, Fundstück, Fußabstreifer, beschriftet, 80 x 40 x 1,5 cm

Copertine, 2014, Fundstücke

Copertine 1, 2014, Fundstücke, je 16 x 10,8 x 3 cm

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Copertine 2, 2014

Serie Copertine, 2014,  OFFICIAL BUSINESS – Inoltra, 2010-14, Nachsende-Etiketten von an den Künstler umgeleiteter Post

Serie Copertine, 2014 (links), OFFICIAL BUSINESS – Inoltra, 2010-14, Nachsende-Etiketten von an den Künstler umgeleiteter Post (Mitte)

OFFICIAL BUSINESS – Inoltra, 2010-14

OFFICIAL BUSINESS – Inoltra, 2010-14

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Im Schaufenster sind Vorhänge aus leuchtend rotem Kunststoff zu sehen (Tende), genäht aus Schutzumschlägen von 2013/14 durch eine Neuauflage ersetzten Gesangbüchern. Diese wurden entsorgt, geblieben sind die Hüllen, die Spuren jahrzehntelangen Gebrauchs aufweisen. ORO im Südfenster nimmt tatsächlich vorhandene Restexemplare desselben Buchtyps auf. Sie sind mit ihrem Goldschnitt zum Betrachter gerichtet und bilden ein Relief, in dem das Ausgangsmaterial kaum mehr zu erkennen ist. In Scaletta sind in Kombination mit einer Leiter Restbestände des Künstlerbuchs von Albert Coers Müde Bücher verarbeitet. Es enthält Fotos von Büchern, die sich durch Belastung verformt haben. Ein Teil der Auflage wurde mit Hinblick auf eine installative Verwendung mit einem neutral-monochromen Cover gedruckt. Die Bücher sind im Lieferzustand mit Folie belassen und kontrastieren mit der Materialität der Holzleiter. Die dreiteilige Installation Biblioteca continuata transformiert Exemplare des Buchs in minimalistische, spiegelartige Objekte, die sich selbst leicht biegen.

Für Biblioteca Botanica – fantasmini wurden Bücher mit konkretem oder assoziativem Bezug zum Thema ‚Botanik’ aus Büchereien ausgeliehen und im Regal durch Karten gekennzeichnet. Nach Rückgabe der Bücher blieben die Karten als Katalog der temporären Bibliothek übrig, der, alphabetisch nach Autorenname geordnet, als Wandinstallation ein Bild ergibt. Mit Tapetto bildet ein Fußabstreifer einen starken Kontrast zu den benachbarten Arbeiten. Es handelt sich um ein Fundstück aus dem Elternhaus des Künstlers, das Reste von Buchstaben erkennen lässt, die man assoziativ ergänzen kann. Die Struktur des abblätternden Schaumstoffbelags erinnert an eine Landschaft.
Im Nebenraum setzen sich die Arbeiten mit Fundstücken fort: Bücher mit von Benutzern abgerissenen, überklebten Einbänden, die ihrerseits autonome Formen und Bilder ergeben, Nachsende-Etiketten von an den Künstler umgeleiteter Post, Benachrichtigungen über angebliche Gewinne. Die Etiketten bekommen durch das Aufrollen etwas Plastisch-Organisches. Ein von einer Bibliothek aussortiertes Selbstoptimierungsbuch aus den 1960er Jahren mit dem Titel Du kannst mehr als du denkst bildet am Durchgang zwischen den Räumen der Artothek einen Schlusspunkt. Erst beim Blick auf den Buchrücken erkennt man den Autornamen, der mit dem Vornamen des Künstlers zusammenfällt.

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