Lese, dass Alexander Kluge verstorben ist — nur wenig später als Habermas. Und es gilt, was er über diesen geschrieben hat: Man habe das Gefühl, eine Epoche gehe zu Ende.
Ich kannte ihn nicht besonders gut, muss ich gestehen. Am ehesten vermittelt über die Interviews mit Thomas Demand, in dessen Katalogen, u.a. dem zur Ausstellung in der Serpentine Gallery, dem mit “Grotto” und den tollen Tapeten. Da war ich schon etwas neidisch auf dieses Hin- und Herspielen der Bälle zwischen den beiden, das Assoziieren, Hineingreifen in einen Fundus aus Gelesenem, Gesehenem, Gedachten.
In Venedig in der Fondazione Prada sah ich Jahre später, 2017, die Ausstellung von Demand, Kluge und Anna Viebrock. Die ging schon gut zusammen, eben in der Gesamtheit. Kluges Filme mit ihren bizarren Wortfiguren-Zwischentiteln-Typographien — ich fand sie interessant, mutig, indem sie sich jedem “Design” verweigerten — sehr eigenständig in ihren assoziativen Bild-Text-Ketten — aber auch irgendwie spröde. Beeindruckt war ich von der intellektuellen Spannweite, den zahlreichen Zusammenarbeiten — nicht nur mit Thomas Demand, mit Gerhard Richter, auch mit jüngeren meiner Generation, etwa mit Thomas Thiede. Da wurde ich etwas neidisch. Und bin jetzt, nach seinem Tod, immer wieder überrascht, wie weitausgreifend, vielfältig er war.
Kluges Buch “Pluriversum” bekam ich am Stand von @spectorbooks bei Super BOOKS, 2023. Ich freute mich, dass er persönlich anwesend war und es signierte — und dann auch zu meinem Stand kam, interessiert in Publikationen blätterte, auch zwei kaufte, worauf ich ganz stolz war. Er hatte in I SOLITI TITOLI die Collage ENCICLOPEDIALEXANDRINA gesehen- und gleich ein Gespräch über die Bibliothek von Alexandria angefangen — das wir leider nicht mehr fortgesetzt haben …
