Jour­nal Juni/Juli 26: Miss Read, Hit­ze, Klimasorgen

27.6., Sams­tag

Die Noti­zen von der Miss Read Ende Juli 2026 sind jetzt schon eini­ge Wochen alt, an der Situa­ti­on hat sich aber nichts Grund­le­gen­des geän­dert. Hit­ze­wel­len in Frank­reich, Wald­brän­de etc haben den Ein­druck einer Kli­ma­kri­se eher noch verstärkt. 

Auf der Künst­ler­buch­mes­se Miss Read, die dies­mal unter­ir­disch statt­fin­det, im Silent Green, einem ehe­ma­li­gen Kre­ma­to­ri­um. Man geht eine brei­te Rampe/Einfahrt hin­un­ter. Ich habe gleich den ers­ten Tisch, Num­mer A01. Der bes­te Platz, vor allem unter kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen: Hier zir­ku­liert Luft, noch vom Ein­gang her, wäh­rend in den tie­fer gele­ge­nen Eta­gen sich Hit­ze und Feuch­tig­keit stau­en.

Als ich nach dem Ende der Mes­se, gegen 19.30, die Ram­pe nach oben gehe, nach drau­ßen, trifft mich fast der Schlag: eine feucht­hei­ße Schwü­le, wie ich sie in Deutsch­land so noch nie erlebt habe. Und schon gar nicht um die­se Tages­zeit (abends) und nicht im Juni. Als wir aus dem mit Rasen begrün­ten Bereich vor dem Silent Green auf die Stra­ße tre­ten, wird es noch bru­ta­ler: Die Son­ne hat Pflas­ter, Asphalt und Gebäu­de­fron­ten auf­ge­heizt; sie wer­fen jetzt die Hit­ze zurück, wie Heiz­strah­ler. Es sind 34 Grad, um 20 Uhr. Unter schüt­te­ren Bäu­men sit­zen erschöpf­te Gestal­ten. Eini­ge kom­men uns tor­kelnd ent­ge­gen. Es ist nicht mehr der „nor­ma­le“ Wed­ding, es ist mehr. Der Späti ist bela­gert, Schlan­gen bil­den sich vor den Kühl­schrän­ken und Geträn­ke­kis­ten. Sire­nen­ge­heul, Kran­ken­wa­gen sind unter­wegs. Ret­tungs­diens­te im Dauereinsatz.

Bin wirk­lich in Sor­ge um Gegen­wart und Zukunft: Bereits jetzt sind wir am Limit des Erträg­li­chen, den­ke, noch 1–2 Grad mehr, und ich selbst wür­de zusam­men­bre­chen. Schlapp­heit, Müdig­keit machen sich jetzt schon breit. Ich will ja noch Jahr­zehn­te leben. Und was ist mit Hoch­be­tag­ten? Was mit Neu­ge­bo­re­nen? Was mit Tie­ren (und Pflan­zen)? Die hal­ten das ja auch nicht aus und ster­ben. Dass wir uns inner­halb weni­ger Jah­re phy­sisch anpas­sen, ist illu­so­risch. Was noch für Jahr­zehn­te ent­fern­te Zukunft vor­her­ge­sagt wur­de, etwa für 2050 (ich wäre da 75), ist jetzt schon da, frü­her als angenommen. 

Die Dys­to­pie wird real: Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel stot­tern, fal­len aus – die Bahn kann ein Funk­tio­nie­ren der Wei­chen bei der Hit­ze nicht garan­tie­ren. Eben­so wie öffent­li­che und pri­va­te Dienst­leis­tun­gen (Müll­ab­fuhr, Post, Inter­net…) – es ist ein­fach zu heiß. Was­ser wird knapp, Waldbrände …

Höre Sir David Atten­bo­rough: “If we don’t act now, the col­lap­se of our civi­li­sa­ti­on and the extinc­tion of much of the life on our pla­net is on the hori­zon”. Und der sag­te das bereits 2018! Ange­sicht der für jeden fühl­ba­ren Ereig­nis­se gewinnt das neue Dring­lich­keit.

Durch Kli­ma­an­la­gen läss­te sich das Gan­ze nicht ein­fach lösen: 2–3 Mil­li­ar­den Men­schen wer­den so schnell kei­nen Zugang zu Kli­ma­an­la­gen haben. Was ist mit denen? Und durch Kli­ma­an­la­gen steigt der Ener­gie­be­dar­f/­CO2-Aus­stoß aber­mals. Das mag kurz­fris­tig not­wen­dig sein , ist aber Kurie­ren am Sym­ptom.

Was kann man tun? “Nach dem Hit­ze­ham­mer am Wochen­en­de muss jetzt gehan­delt wer­den, zum Bei­spiel mit einem bun­des­wei­ten Sofort­pro­gramm zur Pflan­zung schat­ten­spen­den­der Stadt­bäu­me!” schreibt Sascha Mül­ler-Krän­ner

Dazu gibt es Ini­tit­ven wie z.B. den Baum­ent­scheid in Ber­lin. Oder ana­log „Baum­Ent­scheid“ in Mün­chen. Die soll­te man unbe­dingt unter­stüt­zen, unter­schrei­ben, Druck auf die Poli­tik aus­üben.
- Bei­tritt zu Orga­ni­sa­tio­nen, die sich dem Natur- und Kli­ma­schutz wid­men. Z.B. BUND Natur­schutz; Green­peace. Spen­den. Unser gan­zes Geld hilft uns nichts mehr, wenn wir ver­schwit­zen.
- Par­tei­en wäh­len, für die Kli­ma­schutz Prio­ri­tät hat. Mir fal­len da die Grü­nen, ÖDP ein.
- An prak­ti­schen Maß­nah­men, poli­tisch ange­sto­ßen: Ent­sie­ge­lung von Flä­chen, Pflan­zen von Bäu­men und Sträu­chern. Begrü­nung von Haus­fas­sa­den. Im öffent­li­chen und im pri­va­ten Umfeld.
- Rückbau/Verkleinerung von Stra­ßen: nur jeweils eine Fahr­spur in eine Rich­tung. Aus­bau des ÖPNV und der Rad­we­ge.
- Tem­po­li­mits und Fahr­ver­bo­te für Ver­bren­ner. Jeder Ver­bren­ner stößt CO2 aus. Autos hei­zen sich zudem auf, geben Wär­me ab.
-Lebens­til: Alles ver­mei­den, was CO2 Aus­stoß ver­ur­sacht; Flug­rei­sen ver­mei­den, Auto­fahr­ten, Bahn, ÖPNV benut­zen. Rad fah­ren. Öl- und Gas­hei­zun­gen run­ter­fah­ren, erset­zen. Kalt duschen. Das ist bei der Hit­ze weni­ger radi­kal als es sich anhört …

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