Jour­nal, 16./17.5.; Fotos, Samm­lun­gen, Nurem­berg, Bau­stel­len, Schlangenbaum

16.5., Sams­tag
Das Pro­to­koll zur Sit­zung Mit­glie­der­ver­samm­lung Kunst­ver­ein Tier­gar­ten vom Diens­tag zu Ende, schi­cke es ab. Das sind so schrift­li­che Arbei­ten, die dann kaum mehr irgend­wo auftauchen.

Begin­ne die Fotos vom Per­ga­mon-Muse­um her­un­ter­zu­la­den und zu sor­tie­ren, die ich Mitt­woch gemacht hat­te, eini­ge zu löschen, die auf jeden Fall unbrauch­bar sind. Es blei­ben aber so immer noch über 350, die ich mit der Kame­ra gemacht habe, und ca. 150 mit dem Smart­phone. Die Fra­ge nach der Ver­öf­fent­li­chung stellt sich. Wäre sicher etwas für Ins­ta, aber ob die Staat­li­chen Muse­en bzw. das Muse­um für Isla­mi­sche Kunst da mit­macht? M.K. nennt mir ein Por­tal des Isla­mi­schen Muse­ums, wo sie häu­fi­ger etwas publi­zie­ren.
Aber vor­her müss­te ich noch stren­ger aus­wäh­len. Immer­hin, ein Buch könn­te man gut dar­aus machen; ich hat­te die Bil­der ja häu­fig im Hin­blick auf den Abdruck auf einer Dop­pel­sei­te im Kopf gemacht. 

In Büchern, die ich gefun­den habe, Erzäh­lun­gen von Jakob Bur­ck­hardt (den ich nur als His­to­ri­ker kann­te), in einer Arche-Aus­ga­be, die aus Mett­in­gen stammt. Dann „Der Schlan­gen­baum“ von Uwe Timm, ein Roman von ihm, den ich noch nicht kenne;

Abends Film „Nurem­berg“. Sicher nicht schlecht, aber blei­be etwas zwie­späl­tig zurück: Der Fokus und die Aus­sa­ge wird nicht ganz klar. Rus­sel Cro­we spielt den Göring her­vor­ra­gend, ver­schla­gen, aber was ist die Quint­essenz? Dass Nazis auch intel­li­gent sein konn­ten, dass sie Ego­zen­tri­ker waren, und dabei den „nor­ma­len“ Men­schen nicht unähn­lich? Kei­ne so neue Erkennt­nis. Han­nah Are­ndt hat­te die auch schon, mit „die Bana­li­tät des Bösen“. Und dass Cro­we als Göring kein rich­ti­ges Deutsch spricht, dann immer Eng­lisch, mit gespiel­tem deut­schem Akzent … Das hät­te man anders lösen müs­sen, ihn syn­chro­ni­sie­ren o.ä.
Dann schwankt der Film sehr oft unent­schlos­sen zwi­schen Komik und Tra­gik. Die NS-Bon­zen als Witz­fi­gu­ren, der Psych­ia­ter auch eine gehetzt-komi­sche Figur, dann aber die Ernst­haf­tig­keit des Pro­zes­ses mit hohen Idea­len, dann die furcht­ba­ren Doku-Fil­me aus dem KZ …

17.5., Sonn­tag

Guter Schlaf. Hel­le Son­ne durch die Vor­hän­ge. Gegen acht Aufwachen.

Lese Uwe Timms „Schlan­gen­baum“ zu Ende. Das Buch hat­te ich im Bücher­schrank vor dem Len­bach­haus gefun­den (dort steht jetzt auch einer). Eine schö­ne Aus­ga­be, mit dem Auf­kle­ber „Lese­ex­em­lar. Bit­te nicht vor dem 1. 9. 1986 bespre­chen“ auf dem Cover. Ein Soft­co­ver mit auf­ge­kleb­tem Umschlag, des­sen hin­te­re Klap­pe etwas zu knapp gefalzt ist, so dass der Text ange­schnit­ten wird.
Es hat mich nach einer Pau­se doch wie­der hin­ein­ge­zo­gen in die­se Welt; das The­ma ‚Bau­stel­le’ ist mir aus den Fun­da­men­tar­bei­ten für das Fami­lie-Mann-Denk­mal noch gut in Erin­ne­rung, der Beton­guss, die Armie­rungs­ei­sen … Gut nach­voll­zie­hen kann ich auch das Stran­den in Süd­ame­ri­ka, der Ver­lust von Pass, Geld; das Aus­ge­lie­fer­sein an die Elemente …

Und die Fra­ge im Hin­ter­grund, ob die Bau­tä­tig­keit euro­päi­scher Fir­men in Süd­ame­ri­ka sinn­voll ist, der Ver­such, deutsch-euro­päi­sche Model­le zu über­tra­gen. Kri­tik am Kolo­nia­lis­mus steckt drin, das ist ja auch in Uwe Timms „Mor­en­ga“ ein The­ma, wenn auch in einem andern Erd­teil. Zugleich ohne mora­li­schen Zei­ge­fin­ger, ver­bun­den mit einer glaub­haf­ten Bezie­hungs­kri­se; und neben allen The­men: eine span­nen­de Geschichte.

Sto­ße auf Twit­ter auf eine 100 Titel umfas­sen­de Lis­te von Roma­nen
https://x.com/DrDavidVernon/status/2055934513658650689?s=20

Der ers­te, „Pale Fire“ von Nabo­kov. Recher­chie­re ihn, scheint ein schö­nes Stück Meta-Lite­ra­tur: Kom­bi­na­ti­on eines Lang-Gedichts mit dem Kom­men­tar zu die­sem Gedicht. Wer­de ich mir besorgen.

Gedan­ken an die Aus­stel­lung in Bruckmühl.

Expe­ri­men­tie­re mit den Dia-Index­kar­ten der Dia­thek Düs­sel­dorf, ste­cke sie in Bücher. Es erge­ben sich ganz net­te Kom­bi­na­tio­nen. Ob das schon reicht? „INNEN“ fin­de ich gut, könn­te auch eine Nach­sil­be sein („INNEN“, fürs Gendern).

Gehe nach drau­ßen und foto­gra­fie­re „Zu Ver­schen­ken“- Schach­teln und Schil­der. Das mache ich ja schon seit län­ge­rem, wäre an der Zeit, die Serie in einem klei­nen Heft/Buch zusam­men­zu­fas­sen. War ursprüng­lich auch etwas, das zur Zeit von Coro­na (2020/21) ver­stärkt auf­ge­tre­ten und dann geblie­ben ist: Man hat­te Zeit, beschäf­tig­te sich viel mit sei­nem Haus­rat und sor­tier­te aus. Gleich­zei­tig waren die­se Schach­teln mit Objek­ten und dem obli­ga­to­ri­schen „Zu ver­schen­ken“ eine Art Bot­schaft nach drau­ßen, eine Kon­takt­auf­nah­me: Hal­lo, ist da jemand? Kann das viel­leicht jemand brau­chen? Die Ankün­di­gung „Zu ver­schen­ken“ signa­li­siert dabei Großzügigkeit.

Wenn man will, kann man da auch den Trend zur Kul­tur des Sharens, Tei­lens erkennen.

Und das fiel zusam­men mit dem all­ge­mei­nen Trend zum Mini­ma­lis­mus, zum Abwurf von Bal­last (sie­he Marie Kon­do). Und auch mit dem zur Digi­ta­li­sie­rung, zu Social Media, zum Strea­men von Fil­men, wodurch objekt­haf­te Medi­en wie Bücher, DVDs, CDs in vie­len Fäl­len als über­flüs­sig erach­tet wur­den. Das wie­der­um steht dann in reiz­vol­lem Gegen­satz zu den ana­log-gebas­tel­ten Schil­dern, wo auf ein­mal wie­der mit der Hand geschrie­ben wird, mit Filz­stift gekrakelt.

Eine Hand-Zeich­nung, in der Serie, die ich begon­nen hat­te, mit dem Vor­satz, etwa jeden Tag ein­mal eine mei­ner Hän­de zu zeich­nen. Dies­mal mit links. Glau­be, sie ist nicht schlecht.

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