Träume von meinem Vater …
Wache schon um sechs auf, empfinde es als viel zu früh, nach dem langen Abend gestern. Lese in Dickens „Dombey & Son“ weiter; 31. Kapitel, Hochzeit von Dombey mit Edith, seiner 2. Frau. Schöne Schilderung des Morgens, der langsam in die Kirche vordringt. Personifikationen, Metaphern, Vergleiche.
Schlummere darüber wieder ein. Träume unklar von Objekten, Kisten, die ich nicht weggeräumt habe. Doch dann eine ganz helle Traum-Erinnerung: Sehe meinen Vater! Zuerst seitlich, er scheint auf etwas schauen, das da steht, vielleicht einen Haufen Schachteln, zu kommentieren oder zu fragen, zurückhaltend, fast schüchtern. Dann dreht er sich zu mir, sehe ihn frontal, mit dem Strohhut, den er im Sommer oft trug, in weißem Hemd, die Ärmel locker am Unterarm aufgeschlagen. „Vati“ rufe ich (im Traum) überrascht (hernach bin ich immer noch genauso überrascht). Gleichzeitig frage ich mich, ob es sein kann (wie man es in Träumen manchmal macht), beginne zu denken, dass es ein Traum ist. Seine Figur steht durchleuchtet, fast transparent da, blickt mich an, dann beginnt sie nach hinten zu kippen, in mehreren Stationen/Positionen, die sich überlagern, wie eine Mehrfachbelichtung. Zuletzt liegt er da, die Hände auf den Oberschenkeln, wie Figuren auf einer Grabplatte, Herzöge, Könige, z.B. in St. Denis.
Bin freudig überrascht über dieses Traumbild. Träume ja selten von ihm – und erinnerte mich in letzter Zeit allgemein selten an meine Träume. Und dann so überraschend und so plastisch!
J
