Jour­nal 1.1.–8.1.2026; Bücher, Biblio­the­ken, Paul Auster

1.1.2026, Don­ners­tag

Son­nig, ers­te Fotos des Jah­res aus dem Schlaf­zim­mer­fens­ter, Blick auf die Baum­schat­ten drü­ben auf dem Dach und der Haus­wand, und der Baum, der den Schat­ten wirft. Er steht mit­ten im Hof, von Häu­sern ein­ge­schlos­sen, brei­tet sei­ne Äste nach allen Rich­tun­gen aus, wird von der Mor­gen­son­ne plas­tisch beleuchtet.

Nach­mit­tags in der Vil­la Stuck. Die Male­rei von Loui­se Gio­va­nel­li (Vor­hän­ge, Sze­nen der Par­ty­kul­tur, Küs­se, Kon­sum­kul­tur ….) ganz fan­tas­tisch. Inter­es­sant, in den Räu­men nur Male­rei zu sehen, kei­ne medi­al diver­se Kunst. Bringt Ruhe hin­ein. Ruhe, die dem The­ma zu wider­spre­chen scheint.

Dann hin­auf ins Ober­ge­schoss, wo die Aus­stel­lung über Bücher und Biblio­the­ken ist, an der ich mit einem Zitat an der Wand und der Begleit­pu­bli­ka­ti­on betei­ligt bin.

Zie­he meh­re­re Bücher aus den Kar­tons, u.a. einen Kata­log von Albert Weis. Es gibt auch meh­re­re noch ein­ge­schweiß­te, u.a. einen von Heinz Butz, des­sen Namen mir bekannt ist, dann von Rachel White­read … Packe sie aus, sehe hinein.

Irgend­wie scheint mir aber das Kon­zept der Aus­stel­lung nicht ganz auf­zu­ge­hen. Besu­cher kön­nen in die Schach­teln hin­ein­schau­en, ja, und Bücher her­aus­neh­men, sie able­gen, wenn sie wol­len ord­nen. Aber zu erwar­ten, dass dar­aus eine neue Ord­nung, eine Biblio­thek ent­ste­hen wür­de? Eine Biblio­thek ist eine kom­ple­xe, orga­nisch gewach­se­ne Ord­nung, nach Prin­zi­pi­en, die sich eine Per­son aus­ge­dacht hat oder auf die man sich als Grup­pe einigt und halb­wegs kon­se­quent umsetzt.

Die­se Ord­nung ist in dem Fall unklar. Oder, wo sie vor­ge­ge­ben ist (Beschrif­tung der Schach­teln nach Orten/Institutionen) traut man sich nicht, sie zu ändern. Posi­tiv gespro­chen: die Aus­stel­lung weist genau auf die­se Pro­ble­me hin.

Tee im Café der Archäo­lo­gi­schen Staats­samm­lung. In die Schack-Gale­rie in der Prinz­re­gen­ten­str. Bil­der von Schwind, Feu­er­bach. Wie­der ziem­lich unglaub­lich, die­se mär­chen­haft-ver­spiel­ten Bil­der, auch das Pathos. Dann aber auch wirk­lich gute Male­rei, von Rott­mann etwa, sei­ne süd­li­chen Land­schaf­ten, oder von Feu­er­bach, ein Blumenstilleben. 

Idee für Pro­jekt mit Foli­en der noch unaus­ge­pack­ten Bücher. Fan­ge eine Mail an Sabi­ne Schmid von der Vil­la Stuck an, als Vor­schlag, schi­cke sie aller­dings noch nicht ab. Es sind noch Fei­er­ta­ge, bin noch nicht so recht in Arbeitsstimmung.

2.1., Frei­tag.

Schnee­fall, win­dig. Lau­fen mit E., die wie­der­um die Initia­ti­ve ergreift. Über­win­dung, nach drau­ßen zu gehen, sich zu bewe­gen. Im Nach­hin­ein immer richtig.

Begin­ne bzw. lese wei­ter in Paul Aus­ters 4321. Hat­te das (vor)letztes Jahr ange­fan­gen; es waren mir aber zu vie­le Namen, die Genea­lo­gie der Fer­gu­sons zu kom­pli­ziert. Jetzt freue ich mich noch ein­mal an der Gene­se des Namens, vom ost­eu­ro­pä­isch-jid­di­schen über das vor­ge­schla­ge­ne ame­ri­ka­ni­sche Rocke­fel­ler, der aber ver­ges­sen wird, gera­de aber so, im Ver­ges­sen, zum neu­en Namen wird, vom jid­di­schen „ich hob far­gossn zu „Ferguson“.Hoffe, dass ich mich dies­mal wie­der bes­ser kon­zen­trie­ren kann.

Etwas am Mann-Buch. Wer­de die Blog­ein­trä­ge bis zur Eröff­nung aktua­li­sie­ren müs­sen. Wie mit den Bil­dern umge­hen? Viel­leicht län­ge­re Bil­der­stre­cken vor­ne, in der Mit­te, hinten?

4.1. 2026, Sonntag

Mache eine Lis­te der Bücher, die sich neben mei­nem Bett tür­men, die ich teil­wei­se gele­sen habe oder es noch vor­ha­be, sta­pel­wei­se von oben nach unten:

Paul Aus­ter: 4321
Rai­ner Maria Ril­ke: Gesam­mel­te Gedich­te
Michel Hou­el­le­becq: Res­ter vivant
John Ber­ger: Steps Towards a Small Theo­ry of the Visi­ble
Anna Seg­hers: Aus­ge­wähl­te Erzäh­lun­gen
Four Gothic Novels (u.a. Mary Shel­ley: Fran­ken­stein)
Jules Ver­ne: La Jan­ga­da (aus Tour­nus)
Franz von Bay­ern: Zuschau­er in der ers­ten Rei­he
Maxim Bil­ler: Mama Odes­sa (bei Duss­mann gekauft)
Alex­and­re Dumas: Le Comte du Mon­te-Chris­to I
Paul Bour­get: Sen­sa­ti­ons d’I­ta­lie (Buch­la­den Beau­ne)
Karl Schlögl: Das sowje­ti­sche Impe­ri­um
Alber­to Man­guel: Die Biblio­thek bei Nacht
Her­man Mel­ville: Bil­ly Budd and Other Sto­ries
Paul Aus­ter: Tim­buk­tu
Karl Schlögl: Ame­ri­can Matrix

Die Gegen­wart: Deutsch­spra­chi­ge Erzäh­ler der Jahr­gän­ge 1900–1960
Oswald Wie­ner: die Ver­bes­se­rung von Mit­tel­eu­ro­pa
Ella Al-Shamahi: Der Hand­schlag

Juli Zeh: Unter Leu­ten
Albert von Schirn­ding: War ich das? Von Ankünf­ten und Abschie­den
Gaea Schroe­ters: Tro­phäe
Geor­ges Sime­on: Mai­gret et le clo­chard (Buch­la­den Beau­ne)
Jona­than Fran­zen: Puri­ty
David Fos­ter Wal­lace: A sup­po­sedly fun thing I’ll never do again
Sasa Sta­ni­sic: Wie der Sol­dat das Gra­mo­fon repa­riert
Dani­el Defoe: Robin­son Cru­soe
Jona­than Fran­zen: How to be Alo­ne
Paul Aus­ter: 4321
Chris­ti­an Kracht: 1979
Jor­ge Lou­is Bor­ges: El Aleph
August Strind­berg: Am offe­nen Meer
Stein­bachs Natur­füh­rer Mineralien

Rudyard Kipling: The com­ple­te Stal­ky Sto­ries
Mil­lio­när na pod­wale. Rus­si­scher Lern­kri­mi
Wolf­gang Ull­rich: Iden­ti­fi­ka­ti­on und Empower­ment
Dirk Siep­mann: Le Fran­cais dans tous ses états
Gabri­el Yoran: Die Ver­krem­pe­lung der Welt
Erich Mei­er: Log­buch
Modern Eng­lish Short Sto­ries II
Rudyard Kipling: The Man Who Would Be King
Joseph Con­rad: Youth. Heart of Dark­ness. The End of the Tether
The David Fos­ter Wal­lace Rea­der
Tour­nier: Le gout­te d’or
Bru­no Blas­sel­le: His­toire du liv­re
Pin­dar: Oden
Cars­ten Lis­e­cki: Der Arbeits­auf­ent­halt als Bei­trag zur Erho­lungs­for­schung
Peter Ade: Picas­so, Kokosch­ka und all die ande­ren
Wolf­gang Haas: Wackel­kon­takt
Por­trait du voca­bu­lai­re fran­cais (Larous­se)
Jona­than Fran­zen: The Kraus Pro­ject
Lan­gen­scheids prak­ti­sches Lehr­buch Rus­sisch
Hans Magnus Enzens­ber­ger: Arch, Euro­pa!
Joseph Roth: Erzählungen.

Rein­hold Mess­ner: Gehe ich nicht, gehe ich kaputt
Dos­to­jew­ski: Der Spie­ler
Dos­to­jew­ski: Igrok (Reclam, Russisch)

Mo, 5.1.

Ver­zwei­fel­te Ver­su­che, den Regal­raum für die Auf­stel­lung von mehr Büchern zu opti­mie­ren. Aus­räu­men der Glä­ser, eini­ge kom­men gegen­über auf das Brett über der Küchen­zei­le, wo auch schon ande­re ste­hen. Dann ver­schie­ben der Bret­ter um eini­ge Zen­ti­me­ter, um Platz für ein wei­te­res Brett zu schaf­fen. Gele­gen­heit zum Blät­tern und Stö­bern. Idee, einen Film mit Signa­tu­ren in Büchern zu machen.

6.1. Diens­tag,

Am frü­hen Mor­gen Auf­wa­chen, kann nicht mehr ein­schla­fen. In Aus­ters 4321 wei­ter. Ver­blüf­fen­der Zufall: Der Prot­ago­nist Fer­gu­son ver­öf­fent­licht in einer selbst her­aus­ge­ge­be­nen Schü­ler­zei­tung einen Arti­kel zum Angriff auf Prä­si­dent Nixon in Cara­cas, Vene­zue­la 1958 (Head­line Fra­cas in Cara­cas). Und das genau zum Zeit­punkt des ame­ri­ka­ni­schen Ein­grei­fens in Vene­zue­la 2026! Tau­che jetzt doch stark in den Roman ein. Bis zum Abend kom­me ich schon auf über 300 gele­se­ne Seiten!

Als Neben­ef­fekt eine Rei­he von Anre­gun­gen, u.a. Fil­me wie „Les Enfants du Paradise“.

Dafür blen­de ich die zu tuen­den Din­ge des alten und neu­en Jah­res aus, die sich schon wie­der abzeich­nen, die Ter­min­ein­trä­ge im Kalen­der, die E‑mails, in die ich heu­te gar nicht schaue. Soviel Zeit muss sein.

Der Zwei­fel des Jugend­li­chen Fer­gu­son an der Exis­tenz Got­tes, der so viel Schlech­tes in der Welt zulässt, und der Ver­such, Gott auf die Pro­be zu stel­len, durch bewusst schlech­te Leis­tun­gen in der Schu­le, ein Zei­chen von ihm zu bekom­men, eine Art von Bestra­fung. „Onto­lo­gic chi­cken“ hier­für die schö­ne Bezeich­nung. Das kann ich nach­voll­zie­hen. Ähn­li­che Pro­ble­me und Fra­gen hat­te ich als Jugend­li­cher, als 12-jäh­ri­ger auch.

All­mäh­lich kom­me ich hin­ter die erzäh­le­ri­sche Struk­tur und Poin­te: eine (Lebens)geschichte immer wie­der neu zu erzäh­len, mit leich­ten Vari­an­ten. Es hät­te auch anders kom­men kön­nen. Wenn die­ses oder jenes Ereig­nis nicht gewe­sen wäre ….

Die ein­ge­web­te Geschich­te von den Two Pair of Shows. Könn­te Aus­ter tat­säch­lich als Jugend­li­cher geschrie­ben haben. Aber ob der Ent­schluss, Schrift­stel­ler zu wer­den, wirk­lich schon mit 14 Jah­ren fest­stand? In einer ande­ren Ver­si­on durch die Lek­tü­re von „Crime and Punish­ment“ (Schuld und Süh­ne) beeinflusst.

3.1.2025 Jour­nal — Bibliothekarisches

Ste­he etwas frü­her auf, gegen 8. Heu­te viel Auf­räu­men und Biblio­the­ka­ri­sches. Fin­de die Lis­te zu Super BOOKS 5, auf der ich die Verkäufe/Kontakte notiert hat­te, ver­su­che, die Namen der Inter­es­sen­ten zu rekon­stru­ie­ren; erin­ne­re mich, dass ich mich Anfang Janu­ar bei Lili­an Lan­des von der Bay. Staats­bi­blio­thek mel­den soll­te wegen des Ankaufs von zwei Publi­ka­tio­nen, u.a. das neue „Who is / Chi è…“. Die ande­re ist dort schon vor­han­den, aber vier wei­te­re nicht, wie ich im Kata­log recher­chie­re. Schrei­be ein klei­nes Ange­bot – das abends dann auch schon ange­nom­men wird, was mich sehr freut — Lili­an Lan­des ant­wor­tet also schon in den Tagen nach Neu­jahr!
Dabei sehe ich auch nach andern Büchern und Hef­ten – und fin­de eini­ges nicht gelun­gen; so ist die Rei­he der so-vie­le-Hef­te nur mit Jahr und Num­mer zu fin­den, aber weder Autor noch Titel noch irgend­et­was zum Inhalt ist angegeben.

Da ist es bes­ser, man schreibt sei­nen eige­nen Kata­log: auf der Web­sei­te und auf edcat​.net, der Initia­ti­ve zur Sicht­bar­ma­chung von Künst­ler­bü­chern und ‑edi­tio­nen. Gebe dort drei Bücher ein, TT, Arbeit an der Pau­se und das neue „situa­tions“ von Anne Wodtcke, wofür ich einen Text­bei­trag geschrie­ben habe.

Und auf Wiki­pe­dia unter­wegs, füge eini­ges zum Ein­trag von geor­gia Kra­wi­ec hin­zu. Aber das muss erst noch gesich­tet und frei­ge­ge­ben wer­den. Zeit kos­tet die­ses Biblio­the­ka­risch-Redak­tio­nel­le schon … Zum Glück heu­te auch mit einem klei­nen Erfolg.

Das Buch des Künst­lers als Künstlerbuch

Zum 60-jäh­ri­gen Bestehen des von Ger­hard Thee­wen gegrün­de­ten Salon Ver­lags erschien ein Band, zu dem ich einen Bei­trag geschrie­ben habe (Eric Otto Frihd (Hg.): Produktion/Reproduktion. Ein Buch für Ger­hard Thee­wen zum 60. und zum 20-jäh­ri­gen Bestehen sei­nes Salon Ver­lags, Köln: Walt­her König 2015, S. 197–205).

Dar­in geht es vor allem um die Buch­rei­he der Edi­ti­on Ex Libris, damit ver­bun­den sind die The­men Besitz und Aneig­nung, Autor­schaft, die Tätig­keit des Künst­lers als Ver­le­ger und die Fra­ge, was ein Künst­ler­buch aus­macht. Dass die Bücher und Edi­tio­nen des Salon Ver­lags, dar­un­ter auch die Ex Libris-Rei­he, seit Som­mer 2023 auch über die Zweig­stel­le Ber­lin erhält­lich sind, war ein Anlass, den Text jetzt hier online zugäng­lich zu machen. 

„Das Buch des Künst­lers als Künst­ler­buch“ wei­ter­le­sen

ani­ma­li­bri, Kunst­ver­ein Tier­gar­ten Ber­lin, 2012

Albert Coers: Biblioteca privata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C. 2012 (links), Biblioteca vitale, 2011 (Mitte), Biblioteca pendente 2011 (rechts)
Raum 1: Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C. 2012 (links), Biblio­te­ca vita­le, 2011 (Mit­te), Biblio­te­ca pen­den­te 2011 (rechts)
Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C.
Biblio­te­ca pen­den­te, 2011/2012

Albert Coers: Biblioteca Giardino Zoologico (2012) (links), ENCYCLOPEDIALEXANDRINA
Biblio­te­ca Giar­di­no Zoo­lo­gi­co (2012) (links), ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA, (2012) (rechts)
Albert Coers: I Classici dell'Arte - versione svizzera (2012), Enciclopedia critica dell'arte contemporanea (2012), Biblioteca botanica - fantasmini (2006)
Raum 3: I Clas­si­ci del­l’Ar­te — ver­sio­ne svi­z­zera (2012), Enci­clo­pe­dia cri­ti­ca del­l’ar­te con­tem­po­ra­nea (2012), Biblio­te­ca bota­ni­ca — fan­tas­mi­ni (2006)
Albert Coers: Enciclopedia critica dell'arte contemporanea (2012), I Classici dell'Arte - versione svizzera (2012), I SOLITI TITOLI (2011), Video

ani­ma­li­bri
kura­tiert von Ralf Hart­mann
Ein­zel­aus­stel­lung Solo Show
Kunst­ver­ein Tier­gar­ten — Gale­rie Nord, Ber­lin
Turm­stra­ße 75, 10551 Berlin

Eröff­nung Ope­ning: 15.3.2012
15.3. — 15.4. 2012

Beglei­tend erscheint die Publi­ka­ti­on
In this occa­si­on is published

Müde Bücher ( Salon Ver­lag Köln)

Für den Kunst­ver­ein Tier­gar­ten ent­wi­ckelt Albert Coers eine die Gale­rie umfas­sen­de Prä­sen­ta­ti­on sei­ner jüngst ent­stan­de­nen Arbei­ten zu Biblio­the­ken und Buch, ver­bun­den mit eigens für die Aus­stel­lung enwi­ckel­ten neu­en Arbei­ten, die auch die groß­flä­chi­ge Öff­nung der Gale­rie­fens­ter zum Stra­ßen­raum mit einbeziehen.

Gezeigt wer­den Arbei­ten aus den Jah­ren 2008 bis 2012, wie z. B. ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA, eine groß­for­ma­ti­ge Raum­in­stal­la­ti­on und Wand­col­la­ge mit Mate­ri­al aus der Biblio­thek von Alex­an­dria, die wesent­lich erwei­tert und durch skulp­tu­ra­le Ele­men­te ergänzt wird. Die Rei­he I TITO­LI SOLI bestehend aus Frot­ta­gen von Buch­ein­bän­den, wird zu asso­zia­tiv-erzäh­le­ri­schen Tableaus grup­piert; Müde Bücher, eine Serie von ein­zel­nen Büchern aus einer pri­va­ten Biblio­thek, wird die vor­her­ge­hen­de Ver­wen­dung von Büchern in einer Instal­la­ti­on ables­bar machen.
In Zusam­men­ar­beit mit loka­len Biblio­the­ken ent­steht eine orts­spe­zi­fi­sche Buch­in­stal­la­ti­on, die mit deren Bestän­den arbei­tet und sie tem­po­rär in den Gale­rie­raum verlagert.

Ver­an­stal­tun­gen
Events during the exhibition

Mitt­woch, 28. 3., 19.30 h
Mar­kus Kra­jew­ski (Bau­haus-Uni­ver­si­tät Wei­mar):
Bücher­raum­ord­nungs­ver­fah­ren.
Vor­trag und Gespräch mit Albert Coers

Diens­tag, 3. 4., 17.30 h
Füh­rung durch die Aus­stel­lung mit Ralf F. Hart­mann, Kurator

Frei­tag, 13. 4., 18 h
Aus­stel­lungs­rund­gang exhi­bi­ti­on tour, Albert Coers im Gespräch mit in con­ver­sa­ti­on with Ralf F. Hartmann

Die Aus­stel­lung wird geför­dert von
With fri­end­ly sup­port by

Golart Stif­tung, Erwin und Gise­la von Stei­ner Stif­tung, Rischart, München.

ani­ma­li­bri

Ani­ma­li­bri: der Titel ver­schmilzt Wor­te, die häu­fig als Gegen­sät­ze gebraucht wer­den: Ani­ma, See­le, Leben, und libri, Bücher. Gleich­zei­tig steckt in ihm auch Ani­mal (Lebe­we­sen, Tier), was zum Ort, der Gale­rie im Tiergar­ten passt. Bücher sind als etwas Leben­di­ges auf­ge­fasst, sie­he die Instal­la­tio­nen, sie­he auch die Arbeit Müde Bücher. Und Bücher pas­sen zum Ort, zur Gale­rie Nord als ehe­ma­li­ge Bibliothek. 

Im ers­ten Raum im Osten sind Bücher aus Pri­vat­bi­blio­the­ken in Fens­tern instal­liert. (Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C., 2012). Die Bücher stam­men je Fens­ter von einem Mit­glied des Kunst­ver­eins Tier­gar­ten. Die Anord­nung ver­sucht die Inter­es­sen der Besit­zer auf­zu­grei­fen: Im ers­ten Fens­ter eine recht­wink­li­ge, archi­tek­to­ni­sche Kon­struk­ti­on (Ralf Hart­mann, Archi­tek­tur­schwer­punkt, Schin­kel etc.), dane­ben eine eher kom­pak­te, „male­ri­sche“, wo Bücher über rus­si­schen Kon­struk­ti­vis­mus und Supre­ma­tis­mus zu fin­den sind (Clau­dia Beelitz), dann eine  geschich­te­te (Bücher von Albert Coers). Den­noch ent­steht eine Gesamt­form, die sich über die Fens­ter­front erstreckt.

Ange­sichts die­ser raum­grei­fen­den Instal­la­tio­nist die Hän­gung im Raum eher spar­sa­me, steht aber in Ver­bin­dung zum The­ma der Biblio­thek. An der Stirn­sei­te zwei Bün­del Leih­schei­ne (jeweils Aus­leih- und Rück­ga­be­quit­tun­gen), aus dem Pro­jekt Biblio­te­ca vita­le (2011), für das aus der Biblio­thek der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin – Grimm-Zen­trum hun­der­te Bücher zum The­ma „Leben“ aus­ge­lie­hen wur­den. Dies kor­re­spon­diert mit den grü­nen Stell­ver­tre­ter­kar­ten für aus­ge­lie­he­ne Bücher der Biblio­te­ca Bota­ni­ca, am ande­ren Ende der Gale­rie, an der Westwand.

An der Süd­wand: hän­gen 10 Stoff­ta­schen aus dem Pro­jekt Zet­tels Traum, 2011, gefüllt mit Büchern. Die Stoff­ta­schen stam­men von ver­schie­de­nen Ber­li­ner Filia­len der Hugen­du­bel-Ket­te. Dort kauf­te Coers ins­ge­samt 69 Exem­pla­re von Wah­rigs Wör­ter­buch, bis ihr Preis der­sel­be war wie von einem Exem­plar von Arnold Schmidts Zet­tels Traum, foto­gra­fier­te sie und tausch­te sie um bzw. brach­te sie zurück. Die Quit­tun­gen waren Bestand­teil der Arbeit. Am ande­ren Ende der Gale­rie sind zwei doku­men­ta­ri­sche Fotos der Arbeit zu sehen.

An der Süd- u. West­wand sind gra­fi­sche Arbei­ten zu sehen: I TITO­LI SOLI (2009–2012) („nur die Titel“, ein Spiel mit Titeln der Instal­la­ti­on I SOLI­TI TITO­LI,2009, aus der sich Müde Bücher ablei­te­te). Es sind Frot­ta­gen, Abrie­be von gepräg­ten Buch­ein­bän­den, die neu zu asso­zia­tiv-erzäh­le­ri­schen Tableaus grup­piert wur­den (zum The­ma „Ber­ge, Expe­di­tio­nen, (Lebens)gefahr“, z.T. asso­zia­tiv zum The­ma der Biblio­te­ca vita­le gegen­über, z.B. „wir wer­den leben“).Die Tech­nik des Abriebs, die u.a. in der Archäo­lo­gie ver­wen­det wird, um Inschrif­ten wie­der­zu­ge­ben, ist ein repro­du­zie­ren­des Ver­fah­ren mit eige­ner gra­phi­scher Qua­li­tät, zwi­schen Ori­gi­nal­zeich­nung und Druck­gra­phik. Die Serie kor­re­spon­dier­te mit Bild-Text-Kom­bi­na­tio­nen der Instal­la­ti­on mit Foto­ko­pien im Mittelraum.

Mit­tel­raum

In den Raum ein­ge­passt steht Scaf­fa­le (Biblio­te­ca Bota­ni­ca), eine Art begeh­ba­rer Pavil­lon aus Holz­re­ga­len, war Bestand­teil der Instal­la­ti­on Biblio­te­ca Bota­ni­ca, Kunst­mu­se­um Hei­den­heim, 2006. Dort war es Trä­ger­ele­ment für aus kom­mu­na­len Biblio­the­ken aus­ge­lie­he­ne Bücher zum The­ma „Bota­nik“. Durch die Schräg­stel­lung der Regal­bret­ter wur­den Asso­zia­tio­nen an Äste eines Bau­mes oder die Rip­pen eines Blat­tes geweckt. Im Kunst­ver­ein Tier­gar­ten wird auf des­sen eige­ne Biblio­thek zurück­ge­grif­fen: Kata­lo­ge, sonst im Raum hin­ter dem Emp­fang in einem gro­ßen Regal, wer­den „aus­ge­lie­hen“ und neu nach Grö­ße sor­tiert; und die Bret­ter ent­spre­chend in Schräg­stel­lung ange­passt. Es ent­steht eine neue Ord­nung. Das Regal hin­ter dem Emp­fang der Gale­rie Nord ist dage­gen leer.

Mit dem The­ma der Biblio­thek, mit dem der Abwe­sen­heit und Neu­krea­ti­on in Ver­bin­dung steht ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA (2008–2012), eine Wand­col­la­ge mit Foto­ko­pien aus den Biblio­the­ken von Alex­an­dria – es gibt meh­re­re Städ­te die­ses Namens, nicht nur in Ägyp­ten, son­dern auch in Vir­gi­nia und in Ita­li­en. Sie bezieht sich auf die legen­dä­re Biblio­thek, die alles Wis­sen der Welt ver­sam­mel­te und deren Bestän­de auf rät­sel­haf­te Wei­se ver­schwun­den sind. „Von der Rose bleibt nur der Name übrig“ – heißt es in Umber­to Ecos Biblio­theks­ro­man „Der Name der Rose“. Von hier las­sen sich Ver­bin­dun­gen, zur Biblio­te­ca Bota­ni­ca her­stel­len, wie auch die Col­la­ge ein Spiel mit Bild- und Text­kom­bi­na­tio­nen und der Viel­deu­tig­keit von Namen ist.

Müde Bücher (2009/2012) ist eine Serie von ein­zel­nen Büchern aus der Biblio­thek eines ver­stor­be­nen Archi­tek­ten, an denen sich bei genaue­rem Hin­se­hen die vor­her­ge­hen­de Ver­wen­dung in einer Instal­la­ti­on able­sen lässt, die zu ihrer Ver­for­mung geführt hat. Sie sind cha­rak­te­ris­tisch für eine bil­dungs­bür­ger­li­che Biblio­thek der 1950er-70er Jah­re, wie sie Coers aus Erfah­rung sei­nes Eltern­hau­ses kennt. Prä­sen­tiert wer­den sie als skulp­tu­ra­le Ein­zel­ob­jek­te in einem Kar­ree von Sockeln. Die Objek­te waren Bestand­teil der Instal­la­ti­onSOLI­TI TITO­LI — LITO, 2009, im Fens­ter der Litho­gra­phie­werk­statt im Künst­ler­haus München.

Im Video­raum (im Raum, der hin­ter „Müde Bücher“ liegt) wur­de der Film I SOLI­TI TITO­LI (2009) gezeigt, der zwi­schen sach­li­cher Doku­men­ta­ti­on und eigen­stän­di­gem Blick auf eine Instal­la­ti­on steht. Zu sehen sind Bli­cke durch die gleich­na­mi­ge Instal­la­ti­on aus Büchern, die vor einem Fens­ter auf­ge­baut sind, auf Pas­san­ten und klei­ne all­täg­li­che Sze­nen, die, für sich banal, im Ver­ein mit den Buch­ti­teln neue Zusam­men­hän­ge ergeben.

Raum West

Mit dem Regal, aber auch mit den andern Leih­zet­teln kor­re­spon­diert Rappre­sen­tan­ti (Biblio­te­ca Bota­ni­ca), 2006/2012, Stell­ver­tre­ter­kar­ten aus grü­nem Kar­ton mit hand­schrift­lich ein­ge­tra­ge­nen Titeln und Biblio­theks­si­gna­tu­ren an der Quer­wand am Ende der Gale­rie. Sie mar­kier­ten in den Rega­len von kom­mu­na­len Biblio­the­ken Bücher, die asso­zia­tiv zum The­ma „Bota­nik“ aus­ge­lie­hen wur­den, ver­wie­sen auf etwas, das abwe­send, an einem ande­ren Ort war, und stell­ten dadurch eine neue Prä­senz her. Die Kar­ten sind nach dem ABC der Ver­fas­ser­na­men ange­ord­net, streng im Ras­ter. Die unter­schied­li­chen Grün­tö­ne der Kar­tei­kar­ten erge­ben aber ein unre­gel­mä­ßi­ges Muster.

Davor im Raum, zwei Boden, die mit Anklä­gen an Mini­ma­lis­mus spie­len: I Clas­si­ci del­l’Ar­te – ver­sio­ne svi­z­zera, 2012. Als mini­ma­lis­ti­sche Instal­la­ti­on am Boden: Bän­de der Rei­he I Clas­si­ci del Arte – Klas­si­ker der Kunst, eine in der Schweiz pro­du­zier­te Aus­ga­be der Bän­de über Kunst-Klas­si­ker aus Pri­vat­be­sitz (Biblio­thek von Bern­hard Coers, Vater von A.C.), ergänzt durch in Ber­li­ner Kom­mu­nal­bi­blio­the­ken ent­lie­he­ne Exem­pla­re (u.a. Biblio­thek Ste­glitz, Han­sa­bi­blio­thek, Bru­no-Lösche-Biblio­thek, Moa­bit). Die Bän­de sind mit dem Rücken nach oben gezeigt, mono­chrom, erin­nern an Stein­plat­ten. Ihre Her­kunft aus Biblio­the­ken ist aber an den Bar­codes ablesbar.

Enci­clo­pe­dia cri­ti­ca del­l’ar­te con­tem­po­ra­nea, 2012, Schu­ber von Kri­ti­sches Lexi­kons der Gegen­warts­kunst. Die lee­ren Schu­ber stam­men aus dem Bestand des Kunst­ver­eins Tier­gar­ten, der Inhalt befin­det sich auf dem Regal, als Qua­drat die lee­ren Hül­len, die farb­lich mit dem Boden kor­re­spon­die­ren. Sie erin­nern an Boden­skulp­tu­ren, etwa von Carl Andre.

Dane­ben sind wei­te­re Instal­la­tio­nen zu sehen, etwa der Kata­log der Biblio­te­ca Col­let­ti­va (2005). Hier sind in einem Kar­tei­kas­ten die Leih­schei­ne aus der ers­ten Buch­be­schaf­fung durch Aus­lei­he versammelt.

Foto­gra­fien von Instal­la­tio­nen sind eben­falls Zeug­nis­se, die über ihre doku­men­ta­ri­sche Funk­ti­on hin­aus Eigen­wert ent­wi­ckeln, so bei­spiels­wei­se in einer Serie von Pola­roids, bei denen beim Ent­wick­lungs­pro­zess Fehl­stel­len auf­tra­ten, die das Bild­mo­tiv teils unkennt­lich machen, dabei aber etwas Neu­es ent­ste­hen las­sen. Die Pola­roids sind mit Groß­bild­ka­me­ra auf­ge­nom­me­nen Pro­be­ab­zü­ge für end­gül­ti­ge Fotos, ent­stan­den 2008 bei der Aus­stel­lung Debut­an­ten. Sie zei­gen eine Buch­in­stal­la­ti­on, Bögen und Fenster.

Beglei­tet ist die Aus­stel­lung nicht durch einen „nor­ma­len“ Aus­stel­lung­ka­ta­log, son­dern durch eine als Künst­ler­buch gestal­te­te Publi­ka­ti­on, Coers’ ers­tes Foto­buch: Müde Bücher, erschie­nen im Salon Ver­lag, Köln, mit dem Text  „Ermü­det“ des Kunst­wis­sen­schaft­lers Wolf­gang Ullrich.

Das Buch wird in zwei Ein­band­va­ri­an­ten gedruckt, eine davon mit neu­tral-mono­chro­men Cover, das bei spä­te­ren Instal­la­tio­nen und Buch­skulp­tu­ren Ver­wen­dung fin­det (Biblio­te­ca con­ti­nua­ta, 2012, Sca­let­ta, Aus­stel­lung AVAN­ZI, Arto­thek Mün­chen, 2013.

ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA, Goe­the-Insti­tut Alexandria

Instal­la­ti­on mit  Pho­to­ko­pien aus Biblio­theks­bü­chern, Haft­no­ti­zen, Metall­re­ga­le, Bän­den der Brockhaus-Enzyklopädie. 

ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA ist ein Pro­jekt, für das Coers in Alex­an­dria, Ägyp­ten, in der dor­ti­gen Biblio­thek recher­chiert hat. Das gefun­de­ne Mate­ri­al, das vom Mythos der Stadt, der Biblio­thek und dem Namen han­delt, wur­de in Form von Kopien aus den Büchern der Biblio­thek in einem groß­for­ma­ti­gen, asso­zia­ti­ven Bild-Text-Geflecht zu einer Instal­la­ti­on umge­setzt. Ver­knüpft wer­den in die­ser künst­le­ri­schen Arbeit wei­te­re Städ­te, denen nichts außer der Name gemein ist: Alessandria/Piemont und Alexandria/Virginia. Sie wer­den unter­sucht und in ein gegen­sei­ti­ges Bezie­hungs­ge­flecht gesetzt, so dass ein neu­es Sys­tem an Ver­bin­dun­gen entsteht.

Gale­rie Fik­run wa Fann, Goe­the-Insti­tut Alexandria/EGY, 14.12.–31.12.2008
in Zusam­men­ar­beit mit der Biblio­the­ca Alex­an­dri­na.

ENCI­CLO­PE­DIA BOTA­NI­CA, 2006

ENCI­CLO­PE­DIA BOTA­NI­CA, 2006
285 x 360 x 40 cm; Metall­re­gal, Brock­haus-Enzy­klo­pä­die, Papier­strei­fen ein­ge­legt an bota­ni­schen Stich­wor­ten / metal shelf, Brock­haus ency­clo­pe­dia, paper strips inser­ted at bota­ni­cal ent­ries
Albert Hien: ORTO­BO­TA­NI­CO / Albert Coers: BIBLIOT­CA BOTA­NI­CA, Kunst­mu­se­um Heidenheim


Biblio­te­ca Gal­le­ria, Gal­le­ria 44, 2005

Raum­in­stal­la­ti­on, zwei­tei­lig, je 180 x 230 x 30 cm
14.04.–01.05.2005, Gal­le­ria Stu­dio 44, Vico Colal­an­za 12r, 16123 Genua
Kura­tiert von Micha­el Blu­me / Miche­le Fiore

Bücher aus aus­sor­tie­ren oder ein­ge­la­ger­ten Bestän­den Genue­ser Biblio­the­ken (Goe­the-Insi­tut, Deut­sche Schu­le, Biblio­te­ca Berio, Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek) wer­den wie­der zum Leben erweckt. In einer tun­nel­ar­ti­gen Gale­rie sind zwei Wän­de ein­ge­zo­gen, der Durch­gang erschwert bzw unmög­lich gemacht. In die ers­te Wand ist ein Bogen (Höhe ca. 150 cm) ein­ge­fügt, der die Form des Gewöl­bes wie­der auf­nimmt und archi­tek­to­ni­sches Zitat ist. Die zwei­te Wand schließt den Gang, so daß sei­ne wah­re Län­ge unbe­stimmt bleibt und ein kapel­len­ar­ti­ger Zwi­schen­raum entsteht.

Mit Unter­stüt­zung des Goe­the-Insti­tuts Genua.