Zwi­schen Licht und Mate­rie – vom Erschei­nen und Ver­schwin­den, Kunst­ver­ein Tier­gar­ten, Berlin

26. 1. – 30. 3. 2024
Gale­rie Nord — Kunst­ver­ein Tier­gar­ten, Ber­lin

Albert Coers, Lukas Grund­mann, Petra Kara­di­mas, Ute Lind­ner, Karen Stu­ke, Albert Weis

Kura­tiert von Vero­ni­ka Witte

Eröff­nung: Fr. 26. Janu­ar, 19 Uhr

Begrü­ßung und Ein­füh­rung: Vero­ni­ka Witte

Sechs Künstler:innen erfor­schen die künst­le­ri­sche Dar­stel­lung, Ver­mes­sung, Auf­zeich­nung und Refle­xi­on von Zeit. Erkun­det wer­den ihre Aus­for­mun­gen und Abla­ge­run­gen, ihre mög­li­che Deh­nung und Ver­dich­tung zwi­schen Moment und Dau­er. Wie wird Zeit als Pro­zess, im Mate­ri­al oder im Bild sichtbar?

Zeit und Licht las­sen Bil­der wie von selbst ent­ste­hen und ver­blas­sen. Das kann durch das Foto­gra­fie­ren mit der Loch­ka­me­ra in Lang­zeit­be­lich­tung oder durch das Ein­wir­ken von Licht auf Mate­ri­al über län­ge­re Zeit­räu­me gesche­hen. Bei Ute Lind­ner wird die Dau­er über phy­si­ka­li­sche Pro­zes­se im Mate­ri­al sicht­bar, wäh­rend sie sich bei Karen Stu­ke in Sze­na­ri­en offen­bart, die glei­cher­ma­ßen vom Fest­hal­ten wie vom Ver­schwin­den handeln.

Die Foto­gra­fien urba­ner Räu­me sind bei Petra Kara­di­mas zunächst Moment­auf­nah­men des All­täg­li­chen, dar­über hin­aus aber auch Kom­po­si­tio­nen aus Struk­tur und Far­be, die eine flä­chi­ge und zugleich büh­nen­haf­te, räum­li­che Dich­te erzeu­gen sowie eine Gleich­zei­tig­keit his­to­ri­scher Zeiträume.

Bei Albert Weis wer­den Rou­ti­nen des All­tags zum künst­le­ri­schen Pro­duk­ti­ons­pro­zess: Der täg­li­che Gang, das Scha­ben und Krat­zen hin­ter­las­sen Spu­ren der Bean­spru­chung auf dem Boden. Die mecha­ni­schen Pro­zes­se schrei­ben sich dem Mate­ri­al auf Dau­er ein oder sie zer­stö­ren, wie bei Lukas Grund­mann, die ihnen ein­ge­schrie­be­nen Infor­ma­tio­nen durch den Akt des sich wie­der­ho­len­den Abrufens.

Albert Coers trans­for­miert das Bücher­ar­chiv des Kunst­ver­eins, das Zeit­ge­schich­te als rea­les Gewicht und skulp­tu­ra­le Mas­se verkör­pert, zu schwe­ben­den Gebil­den, die von der Fra­gi­li­tät der Zeit zwi­schen Fest­hal­ten an Ver­gan­ge­nem und stän­di­gem Wan­del zeugen.

Die Aus­stel­lung ist der Auf­takt zum 20-jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Kunst­ver­eins Tier­gar­ten, das sich aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven dem Phä­no­men von Zeit und Zeit­lich­keit widmet.

Ope­ning: Fri 26 Janu­ary, 7 pm

Wel­co­me and Intro­duc­tion: Vero­ni­ka Witte

Six artists explo­re the artis­tic repre­sen­ta­ti­on, mea­su­re­ment, recor­ding and reflec­tion of time. They inves­ti­ga­te its shapes and its resi­dues, its pos­si­ble expan­si­on and com­pres­si­on bet­ween moment and dura­ti­on. How does time beco­me visi­ble – as a pro­cess, in the mate­ri­al or in the image?

Time and light allow images to emer­ge and fade as if by them­sel­ves. This can be achie­ved by taking pho­to­graphs with a pin­ho­le came­ra in long expo­sures or by expo­sing mate­ri­al to light over long peri­ods of time. In Ute Lindner’s work, dura­ti­on beco­mes visi­ble through phy­si­cal pro­ces­ses in the mate­ri­al, while in Karen Stuke’s work it is reve­a­led in sce­na­ri­os that deal with both hol­ding on to some­thing and its disappearance.

Petra Kara­di­mas’ pho­to­graphs of urban spaces are initi­al­ly snapshots of ever­y­day life, but they are also com­po­si­ti­ons of struc­tu­re and colour that crea­te a two-dimen­sio­nal and at the same time stage-like spa­ti­al den­si­ty and a simul­tan­ei­ty of his­to­ri­cal time periods.

Ever­y­day rou­ti­nes beco­me an artis­tic pro­duc­tion pro­cess in the work of Albert Weis: dai­ly wal­king, scra­ping and scrat­ching lea­ve traces of wear and tear on the flo­or. The mecha­ni­cal pro­ces­ses inscri­be them­sel­ves per­ma­nent­ly on the mate­ri­al or, as in the case of Lukas Grund­mann, they des­troy the infor­ma­ti­on inscri­bed in them through the act of repe­ti­ti­ve retrieval.

Albert Coers trans­forms the Kunstverein’s book archi­ve, which embo­dies con­tem­po­ra­ry histo­ry as a real weight and as a sculp­tu­ral mass, into floa­ting struc­tures that bear wit­ness to the fra­gi­li­ty of time bet­ween clinging to the past and con­stant change.

The exhi­bi­ti­on is the pre­lude to the 20th anni­ver­sa­ry of Kunst­ver­ein Tier­gar­ten, which is dedi­ca­ted to the phe­no­me­non of time and tem­po­ra­li­ty from various perspectives.