Symposium, „Collecting Collections“, in der Galerie im Rathaus Lichtenberg.
„Journal, 29.4.26, Collecting collections“ weiterlesenJournal 11.1.–14.1.2026; Ausräumen: Stroh, Kunstverein Tiergarten
11.1., Sonntag
Abholung des Pflastersteins vom Salvatorplatz, den ich als Multiple in einer Ausstellung gezeigt hatte, in der Galerie der Künstler. Gegen Mittag nach Freising, Wohnungsauflösung von Wilfried Stroh, meinem ehemaligen Lateinprofessor.
Zunächst den Domberg hinauf; beim Blick auf das Pflaster muss ich an die bemängelte Pflasterung am Salvatorplatz denken, das Denkmal lässt mich noch nicht los.
Der Dom. Die fantastische Konstruktion mit dem tieferliegenden Mittelraum, in den man nach der Eingangshalle hinuntersteigt. Drüben, am anderen Ende, wieder eine Treppe, die hinauf in den Chor führt. Darunter wieder eine Treppe, hinunter in die Krypta. Im Kreuzgang. Die Kälte kriecht von allen Seiten heran. Besser nicht zu lange stehenbleiben. Einige Frottagen, von Buchstaben „A“.
Zur Wohnung von Stroh, wo ich vor ca. 30 Jahren geholfen habe, Regale aufzubauen und Bücher einzuräumen, als ich Hilfskraft bei ihm war. Jetzt wird ausgeräumt; ein Besen ist in unten in die Tür geklemmt, um Interessenten den Zugang zu ermöglichen. Es sind doch viele da, die Bücher durchforsten, mitnehmen, in Taschen, Kartons, Rollkoffern, Rucksäcken. Insofern eine schöne Art der Anteilnahme und des Interesses. Einige kenne ich auch noch, „von früher.“ Aber gleichzeitig weiß ich, dass diese Phase doch schon lang vorbei ist; ein Flashback in ein vergangenes Leben.
Im ehemaligen Wohnzimmer ein Berg von leeren Aktenordnern; sein Nachlass ist an das Staatsarchiv gegangen. Insgesamt etwas traurige Veranstaltung – aber wieder die Erkenntnis: eine Bibliothek hat ihren Sinn zu Lebzeiten des Sammlers. Er hinterlässt aber Spuren, die für die Nachwelt spannend sein können: Namenseinträge, Unterstreichungen, Zeitungsartikel …
Die Bücher sind zum Teil diesselben, die mein Vater auch hat(te): Viel zu Musik; Literaturwissenschaft ist hier mit breiten Interessen verbunden, mit Philosophie, Psychologie.
Nehme einiges mit: Karteikarten mit Vokabeln, eine rororo-Monographie zu Lessing, Ferdinand de Saussures „Grundlagen der Allgemeinen Sprachwissenschaft“, Texte auf Französisch (Flaubert, „La Tentation de saint Antoine“, Huysmans, „La-bas“, André Gide, Les Caves du Vatican…), Strohs Geschichte der Rhetorik. Klingers „Römische Geisteswelt“. Darin materiell interessant ein offensichtlich als Einmerker eingelegtes zerknülltes Tempo-Taschentuch. Ein Vokabelheft, das mich an mein Englisch-Wörterheft erinnert, das ich abfotografiert und als Künstlerheft veröffentlicht hatte.
Schwer beladen ziehen wir von dannen.
12.1., Montag
Sehe wieder den schönen Druck des Fotos von Laura Pilar Delgado, mit den zwei Blüten, die zusammenhängen und siamesischen Zwillingen ähneln. Ich hatte sie beim einBuch.haus gekauft, im Rahmen der Aktion, bei der Künstler Drucke zum Verkauf einreichen, um dem einBuch.haus zu helfen, das von einem Wasserschaden betroffen ist. Poste sie.
Fahrt nach Berlin. Unterwegs in Austers 4321. Entdecke jetzt, dass bei manchen Kapiteln (z.B. 4.2., 5.2.,) nur die Nummern stehen, als systematische Kategorie. Doch ist die Seite sonst leer: Der Protagonist ist in dieser Variante bereits tot, in 2.2. von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Freue mich über diese (späte) Entdeckung. Hatte es bisher einfach überblättert. Eindrücklich auch der Parisaufenthalt, mit den homosexuellen Avancen. Erinnert mich an die Fahrt nach Griechenland oder besser, die Rückfahrt von Griechenland, als ich trampend von einem Herren (König hieß er, glaube ich) mitgenommen und dann ins Hotel eingeladen wurde.
Komme gegen Mitternacht an. Matteo noch auf, er liest Gedichte von Kavafis, griechisch-italienisch, testo a fronte. Eine Hinterlassenschaft des Vormieters, Marco. Hinter den Leuten steckt doch mehr, als man vermutet. Ihre Sachen, ihre Bücher sprechen eine eigene Sprache. Nehme die deutsche Fassung von 4321 aus dem Regal und erzähle, dass ich das Buch gerade lese.
13.1., Dienstag
Wache gegen 7 Uhr auf; Undeutliches Bild einer Maschine vor Augen, eines Bauteils aus Metall mit senkrechten Streben, wie eine Heizung, mit glatter messingartiger Verkleidung. Es steht an einer Treppe; hat einige Kratzspuren, ist schon etwas älter. Auf einmal sagt eine Stimme, das sei ich — was mich erschreckt, ich wache auf. Vielleicht von den Auster-Geschichten beeinflusst?
Sitze in der Bruno-Lösche-Bibliothek. Abeilung Romane-Fantasy/Comics. Das Mann-Denkmal holt mich aber ein: Habe mir die Publikation zu einer Ausstellung in der U‑Bahn-Galerie München mitgenommen, die Klaus Bäumler vom Bezirksausschuss München Maxvorstadt geschickt hat. Setzte Antwort an ihn auf. Die Korrekturen der Lektorin vom Kerber-Verlag sind zurück.
14.1., Mittwoch
Schwarzer Tag heute.
Gleich zwei Zeitungen veröffentlichen Artikel, in denen das Fehlen von Heinrich Mann beim Denkmal bemängelt wird, die Abendzeitung und die FAZ. Sollte mich nicht ärgern, tut es aber doch.
Daneben ist das Ausräumen der Galerie Nord ziemlich unangenehm. Wieder so eine Haushaltsauflösung, ein Umzug. Erinnert mich sehr an die Situation letzen Sonntag, in Freising bei Wilfried Stroh. Sortiere überzählige Exemplare von Büchern, schaue, was noch Brauchbares da ist, was ich vielleicht selbst mitnehmen will und kann.
Mache eine schnelle Installation mit RE:VISION, den Katalogen zum 20-jährigen Jubiläum, die sich in Schachteln türmen. Es handelt sich um benutze Exemplare, die entsorgt werden sollen, etwa 50 Stück. Lege sie in einem Rechteck am Boden aus. Staple die leeren Schachteln übereinander. Versuche verschiedene Konstellationen. Gewisse Hilflosigkeit. Es muss alles recht schnell gehen, und es ist keine Atelier- oder Ausstellungssituation
Helfe dann mit, die Exemplare in den Papiercontainer zu tragen. Später werde ich nochmal vorbeikommen, wieder welche herausfischen. Ich ertrage das einfach nicht.
Artministration Teil 1 Abs. (4): „Kunst und Bürokratie“, Büro für kuratorische Forschung, c/o Galerie Nord, Kunstverein Tiergarten, Berlin
Blätter (KVT), 2025






Blätter (KVT), 2025; Unterlagen aus dem Büro des Kunstverein Tiergarten, A4, Vase
Artministration Teil 1 Abs. (4): „Kunst und Bürokratie“
BKF — Büro für kuratorische Forschung c/o Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten
RE:VISION: animalibri/Books to Do @ Kunstverein Tiergarten
RE:VISION – 20 Jahre Kunstverein Tiergarten, Berlin
Bilico: Interview — Subject Change
An Interview from February 2024 with Daniel Gianfranceschi is now online: Bilico — in conversation with Albert Coers
„Bilico: Interview — Subject Change“ weiterlesenScaletta (Osloer)
Scaletta (Osloer), 2024, Installation, “Zwischen Licht und Materie — vom Erscheinen und Verschwinden”, Kunstverein Tiergarten, Berlin
„Scaletta (Osloer)“ weiterlesenIndice KVT, 2024
Indice, 2024, Installation, 220 x 190 cm, 25 Kartonstreifen, je 3 x 20 x 0,2 cm
“Zwischen Licht und Materie — vom Erscheinen und Verschwinden”, Kunstverein Tiergarten, Berlin
Zwischen Licht und Materie – vom Erscheinen und Verschwinden, Kunstverein Tiergarten, Berlin
Cores (Curitiba #4) — inside:OUT Part I
DU KANNST MEHR ALS DU DENKST, 2018

DU KANNST MEHR ALS DU DENKST, 2018, Video, 2:58 min
„DU KANNST MEHR ALS DU DENKST, 2018“ weiterlesenEdition: Jahresgaben Kunstverein Tiergarten, 2012
Zehn neue Frottagen aus der Serie I TITOLI SOLI wurden als Jahresgaben für den Kunstverein Tiergarten Berlin angefertigt und sind dort erhältlich.
Frottagen, Bleistift 3 B auf Papier, 29,7 x 21 cm










animalibri, Kunstverein Tiergarten Berlin, 2012








animalibri
kuratiert von Ralf Hartmann
Einzelausstellung Solo Show
Kunstverein Tiergarten — Galerie Nord, Berlin
Turmstraße 75, 10551 Berlin
Eröffnung Opening: 15.3.2012
15.3. — 15.4. 2012
Begleitend erscheint die Publikation
In this occasion is published
Müde Bücher ( Salon Verlag Köln)
Für den Kunstverein Tiergarten entwickelt Albert Coers eine die Galerie umfassende Präsentation seiner jüngst entstandenen Arbeiten zu Bibliotheken und Buch, verbunden mit eigens für die Ausstellung enwickelten neuen Arbeiten, die auch die großflächige Öffnung der Galeriefenster zum Straßenraum mit einbeziehen.
Gezeigt werden Arbeiten aus den Jahren 2008 bis 2012, wie z. B. ENCYCLOPEDIALEXANDRINA, eine großformatige Rauminstallation und Wandcollage mit Material aus der Bibliothek von Alexandria, die wesentlich erweitert und durch skulpturale Elemente ergänzt wird. Die Reihe I TITOLI SOLI bestehend aus Frottagen von Bucheinbänden, wird zu assoziativ-erzählerischen Tableaus gruppiert; Müde Bücher, eine Serie von einzelnen Büchern aus einer privaten Bibliothek, wird die vorhergehende Verwendung von Büchern in einer Installation ablesbar machen.
In Zusammenarbeit mit lokalen Bibliotheken entsteht eine ortsspezifische Buchinstallation, die mit deren Beständen arbeitet und sie temporär in den Galerieraum verlagert.
Veranstaltungen
Events during the exhibition
Mittwoch, 28. 3., 19.30 h
Markus Krajewski (Bauhaus-Universität Weimar):
Bücherraumordnungsverfahren.
Vortrag und Gespräch mit Albert Coers
Dienstag, 3. 4., 17.30 h
Führung durch die Ausstellung mit Ralf F. Hartmann, Kurator
Freitag, 13. 4., 18 h
Ausstellungsrundgang exhibition tour, Albert Coers im Gespräch mit in conversation with Ralf F. Hartmann
Die Ausstellung wird gefördert von
With friendly support by
Golart Stiftung, Erwin und Gisela von Steiner Stiftung, Rischart, München.
animalibri
Animalibri: der Titel verschmilzt Worte, die häufig als Gegensätze gebraucht werden: Anima, Seele, Leben, und libri, Bücher. Gleichzeitig steckt in ihm auch Animal (Lebewesen, Tier), was zum Ort, der Galerie im Tiergarten passt. Bücher sind als etwas Lebendiges aufgefasst, siehe die Installationen, siehe auch die Arbeit Müde Bücher. Und Bücher passen zum Ort, zur Galerie Nord als ehemalige Bibliothek.
Im ersten Raum im Osten sind Bücher aus Privatbibliotheken in Fenstern installiert. (Biblioteca privata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C., 2012). Die Bücher stammen je Fenster von einem Mitglied des Kunstvereins Tiergarten. Die Anordnung versucht die Interessen der Besitzer aufzugreifen: Im ersten Fenster eine rechtwinklige, architektonische Konstruktion (Ralf Hartmann, Architekturschwerpunkt, Schinkel etc.), daneben eine eher kompakte, „malerische“, wo Bücher über russischen Konstruktivismus und Suprematismus zu finden sind (Claudia Beelitz), dann eine geschichtete (Bücher von Albert Coers). Dennoch entsteht eine Gesamtform, die sich über die Fensterfront erstreckt.
Angesichts dieser raumgreifenden Installationist die Hängung im Raum eher sparsame, steht aber in Verbindung zum Thema der Bibliothek. An der Stirnseite zwei Bündel Leihscheine (jeweils Ausleih- und Rückgabequittungen), aus dem Projekt Biblioteca vitale (2011), für das aus der Bibliothek der Humboldt-Universität Berlin – Grimm-Zentrum hunderte Bücher zum Thema „Leben“ ausgeliehen wurden. Dies korrespondiert mit den grünen Stellvertreterkarten für ausgeliehene Bücher der Biblioteca Botanica, am anderen Ende der Galerie, an der Westwand.
An der Südwand: hängen 10 Stofftaschen aus dem Projekt Zettels Traum, 2011, gefüllt mit Büchern. Die Stofftaschen stammen von verschiedenen Berliner Filialen der Hugendubel-Kette. Dort kaufte Coers insgesamt 69 Exemplare von Wahrigs Wörterbuch, bis ihr Preis derselbe war wie von einem Exemplar von Arnold Schmidts Zettels Traum, fotografierte sie und tauschte sie um bzw. brachte sie zurück. Die Quittungen waren Bestandteil der Arbeit. Am anderen Ende der Galerie sind zwei dokumentarische Fotos der Arbeit zu sehen.
An der Süd- u. Westwand sind grafische Arbeiten zu sehen: I TITOLI SOLI (2009–2012) („nur die Titel“, ein Spiel mit Titeln der Installation I SOLITI TITOLI,2009, aus der sich Müde Bücher ableitete). Es sind Frottagen, Abriebe von geprägten Bucheinbänden, die neu zu assoziativ-erzählerischen Tableaus gruppiert wurden (zum Thema „Berge, Expeditionen, (Lebens)gefahr“, z.T. assoziativ zum Thema der Biblioteca vitale gegenüber, z.B. „wir werden leben“).Die Technik des Abriebs, die u.a. in der Archäologie verwendet wird, um Inschriften wiederzugeben, ist ein reproduzierendes Verfahren mit eigener graphischer Qualität, zwischen Originalzeichnung und Druckgraphik. Die Serie korrespondierte mit Bild-Text-Kombinationen der Installation mit Fotokopien im Mittelraum.
Mittelraum
In den Raum eingepasst steht Scaffale (Biblioteca Botanica), eine Art begehbarer Pavillon aus Holzregalen, war Bestandteil der Installation Biblioteca Botanica, Kunstmuseum Heidenheim, 2006. Dort war es Trägerelement für aus kommunalen Bibliotheken ausgeliehene Bücher zum Thema „Botanik“. Durch die Schrägstellung der Regalbretter wurden Assoziationen an Äste eines Baumes oder die Rippen eines Blattes geweckt. Im Kunstverein Tiergarten wird auf dessen eigene Bibliothek zurückgegriffen: Kataloge, sonst im Raum hinter dem Empfang in einem großen Regal, werden „ausgeliehen“ und neu nach Größe sortiert; und die Bretter entsprechend in Schrägstellung angepasst. Es entsteht eine neue Ordnung. Das Regal hinter dem Empfang der Galerie Nord ist dagegen leer.
Mit dem Thema der Bibliothek, mit dem der Abwesenheit und Neukreation in Verbindung steht ENCYCLOPEDIALEXANDRINA (2008–2012), eine Wandcollage mit Fotokopien aus den Bibliotheken von Alexandria – es gibt mehrere Städte dieses Namens, nicht nur in Ägypten, sondern auch in Virginia und in Italien. Sie bezieht sich auf die legendäre Bibliothek, die alles Wissen der Welt versammelte und deren Bestände auf rätselhafte Weise verschwunden sind. „Von der Rose bleibt nur der Name übrig“ – heißt es in Umberto Ecos Bibliotheksroman „Der Name der Rose“. Von hier lassen sich Verbindungen, zur Biblioteca Botanica herstellen, wie auch die Collage ein Spiel mit Bild- und Textkombinationen und der Vieldeutigkeit von Namen ist.
Müde Bücher (2009/2012) ist eine Serie von einzelnen Büchern aus der Bibliothek eines verstorbenen Architekten, an denen sich bei genauerem Hinsehen die vorhergehende Verwendung in einer Installation ablesen lässt, die zu ihrer Verformung geführt hat. Sie sind charakteristisch für eine bildungsbürgerliche Bibliothek der 1950er-70er Jahre, wie sie Coers aus Erfahrung seines Elternhauses kennt. Präsentiert werden sie als skulpturale Einzelobjekte in einem Karree von Sockeln. Die Objekte waren Bestandteil der Installation I SOLITI TITOLI — LITO, 2009, im Fenster der Lithographiewerkstatt im Künstlerhaus München.
Im Videoraum (im Raum, der hinter „Müde Bücher“ liegt) wurde der Film I SOLITI TITOLI (2009) gezeigt, der zwischen sachlicher Dokumentation und eigenständigem Blick auf eine Installation steht. Zu sehen sind Blicke durch die gleichnamige Installation aus Büchern, die vor einem Fenster aufgebaut sind, auf Passanten und kleine alltägliche Szenen, die, für sich banal, im Verein mit den Buchtiteln neue Zusammenhänge ergeben.
Raum West
Mit dem Regal, aber auch mit den andern Leihzetteln korrespondiert Rappresentanti (Biblioteca Botanica), 2006/2012, Stellvertreterkarten aus grünem Karton mit handschriftlich eingetragenen Titeln und Bibliothekssignaturen an der Querwand am Ende der Galerie. Sie markierten in den Regalen von kommunalen Bibliotheken Bücher, die assoziativ zum Thema „Botanik“ ausgeliehen wurden, verwiesen auf etwas, das abwesend, an einem anderen Ort war, und stellten dadurch eine neue Präsenz her. Die Karten sind nach dem ABC der Verfassernamen angeordnet, streng im Raster. Die unterschiedlichen Grüntöne der Karteikarten ergeben aber ein unregelmäßiges Muster.
Davor im Raum, zwei Boden, die mit Anklägen an Minimalismus spielen: I Classici dell’Arte – versione svizzera, 2012. Als minimalistische Installation am Boden: Bände der Reihe I Classici del Arte – Klassiker der Kunst, eine in der Schweiz produzierte Ausgabe der Bände über Kunst-Klassiker aus Privatbesitz (Bibliothek von Bernhard Coers, Vater von A.C.), ergänzt durch in Berliner Kommunalbibliotheken entliehene Exemplare (u.a. Bibliothek Steglitz, Hansabibliothek, Bruno-Lösche-Bibliothek, Moabit). Die Bände sind mit dem Rücken nach oben gezeigt, monochrom, erinnern an Steinplatten. Ihre Herkunft aus Bibliotheken ist aber an den Barcodes ablesbar.
Enciclopedia critica dell’arte contemporanea, 2012, Schuber von Kritisches Lexikons der Gegenwartskunst. Die leeren Schuber stammen aus dem Bestand des Kunstvereins Tiergarten, der Inhalt befindet sich auf dem Regal, als Quadrat die leeren Hüllen, die farblich mit dem Boden korrespondieren. Sie erinnern an Bodenskulpturen, etwa von Carl Andre.
Daneben sind weitere Installationen zu sehen, etwa der Katalog der Biblioteca Collettiva (2005). Hier sind in einem Karteikasten die Leihscheine aus der ersten Buchbeschaffung durch Ausleihe versammelt.
Fotografien von Installationen sind ebenfalls Zeugnisse, die über ihre dokumentarische Funktion hinaus Eigenwert entwickeln, so beispielsweise in einer Serie von Polaroids, bei denen beim Entwicklungsprozess Fehlstellen auftraten, die das Bildmotiv teils unkenntlich machen, dabei aber etwas Neues entstehen lassen. Die Polaroids sind mit Großbildkamera aufgenommenen Probeabzüge für endgültige Fotos, entstanden 2008 bei der Ausstellung Debutanten. Sie zeigen eine Buchinstallation, Bögen und Fenster.
Begleitet ist die Ausstellung nicht durch einen „normalen“ Ausstellungkatalog, sondern durch eine als Künstlerbuch gestaltete Publikation, Coers’ erstes Fotobuch: Müde Bücher, erschienen im Salon Verlag, Köln, mit dem Text „Ermüdet“ des Kunstwissenschaftlers Wolfgang Ullrich.
Das Buch wird in zwei Einbandvarianten gedruckt, eine davon mit neutral-monochromen Cover, das bei späteren Installationen und Buchskulpturen Verwendung findet (Biblioteca continuata, 2012, Scaletta, Ausstellung AVANZI, Artothek München, 2013.

