UMLAU­TE (Ä, Ö, Ü, Æ, Å, Ø), 2021

2021, Instal­la­ti­on
Kar­ten mit Buch­sta­ben, Foli­en, Foto­ko­pien, Sound­auf­nah­men im Loop, Stuhl, Buch
Aus­stel­lungs­an­sicht TT, Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöppingen

Albert Coers fand in der Biblio­thek des Künst­ler­dorfs Schöp­pin­gen sechs Buch­sta­ben-Kar­ten mit Umlau­ten. Sie stam­men von einem skan­di­na­vi­schen Her­stel­ler für Biblio­theks­be­darf – daher auch die im Deut­schen unge­wöhn­li­chen Zei­chen – und die­nen ursprüng­lich dazu, im Regal die alpha­be­ti­sche Ord­nung zu mar­kie­ren. In Alpha­be­ten ste­hen sie als Son­der­zei­chen ganz am Ende – und wur­den in der Biblio­thek offen­sicht­lich nie gebraucht. In die sechs Rin­ge an der Ost­wand der Gale­rie gesteckt, die einst zum Fest­bin­den von Rin­dern ange­bracht wur­den, ent­fal­ten sie als schlauch­för­mi­ge Objek­te ein Eigen­le­ben, las­sen dabei an die Arti­ku­la­ti­on mensch­li­cher und tie­ri­scher Lau­te und ihre Dar­stel­lung als Zei­chen den­ken.
Ergänzt ist die Instal­la­ti­on durch Bil­der aus dem Atlas deut­scher Sprach­lau­te, 1976 in Ber­lin (Ost) erschie­nen, der Coers zufäl­lig von einem befreun­de­ten Künst­ler (Frank Her­zog) nach Schöp­pin­gen zuge­schickt wur­de. Dar­ge­stellt ist die Arti­ku­la­ti­on durch Mund und Rachen­raum, damit eine Zone, die aktu­ell gestei­ger­te Auf­merk­sam­keit erfährt, nicht zuletzt bei Viren­tests, die 2021 im Gebäu­de durch­ge­führt wer­den, das der Gale­rie F6 gegen­über­liegt („Kraft­werk“).
Aus zwei skulp­tu­ral auf Sockeln vor einem Fens­ter posi­tio­nier­ten Laut­spre­cher­bo­xen dringt aus der Gale­rie Sound nach drau­ßen: Coers singt in frei­en Ton­fol­gen Umlau­te und liest Bei­spiel­wör­ter auf dänisch und aus demSprach­at­las, was eine dada­is­tisch anmu­ten­de Kom­bi­na­ti­on von Wör­tern ergibt. Dar­un­ter ist auch „Goe­the“, von Coers immer wie­der als Bei­spiel für die Aus­spra­che sei­nes eige­nen Namens ver­wen­det, der eben­falls einen Umlaut beinhal­tet. Inso­fern führt Coers hier indi­rekt die Aus­ein­an­der­set­zung mit sei­nem Namen fort, sie­he „Wer ist Albert?“, 2021.

Albert Coers: UMLAU­TE (Ä, Ö, Ü, Æ, Å, Ø)

2021, instal­la­ti­on
Cards with let­ters, trans­pa­ren­ci­es, pho­to­co­pies, sound record­ings in loop, chair, book
Exhi­bi­ti­on view TT, Gal­le­ry F6, Künst­ler­dorf / Artists’ Vil­la­ge Schöppingen 

Albert Coers found six let­ter cards with umlauts in the libra­ry of the Künst­ler­dorf Schöp­pin­gen. They come from a Scan­di­na­vi­an manu­fac­tu­rer of libra­ry sup­plies – hence the unusu­al cha­rac­ters in Ger­man – and were ori­gi­nal­ly used to mark alpha­be­ti­cal order on the shelf. In alpha­bets, they stand as spe­cial cha­rac­ters at the very end — and were obvious­ly never used in the libra­ry. Pla­ced in the six rings on the east wall of the gal­le­ry, which were once used to tie up catt­le, they unfold a life of their own as tubu­lar objects, sug­ges­ting the arti­cu­la­ti­on of human and ani­mal sounds and their repre­sen­ta­ti­on as signs. The instal­la­ti­on is sup­ple­men­ted by images from the Atlas of Ger­man Speech Sounds, publis­hed in Ber­lin (East) in 1976, which Coers was sent to Schöp­pin­gen by chan­ce by an artist friend (Frank Her­zog). The arti­cu­la­ti­on through the mouth and pha­rynx is depic­ted, thus a zone that is cur­r­ent­ly recei­ving incre­a­sed atten­ti­on, not least in virus tests that are car­ri­ed out in 2021 in the “Kraftwerk”-building oppo­si­te Gal­le­ry F6.
From two boxes sculp­tu­ral­ly posi­tio­ned on pedes­tals in front of a win­dow, sound pene­tra­tes from the gal­le­ry to the out­side: Coers sings umlauts in free sequen­ces of sounds and reads sam­ple words in Danish and from the Atlas of Ger­man Speech Sounds resul­ting in a Dada­ist-like com­bi­na­ti­on of words. Among them is “Goe­the,” used by Coers often as an examp­le of the pro­nun­cia­ti­on of his own name, which also con­tains an umlaut. Thus, Coers deals indi­rect­ly with his own name, like in pre­vious works (“Who is Albert?”, 2021).