15.1., Donnerstag
Abends zum Künstlergespräch mit Ingo Gerken in der Galerie Kuckei und Kuckei. In der U‑Bahn auf dem Weg dorthin bin ich so mit Instagram beschäftigt – oder etwas anderem, dass ich das Aussteigen in der Weinmeisterstr. verpasse und zu weit fahre – bis zum Alexanderplatz. Steige in die U‑Bahn in der Gegenrichtung – und treffe dort Peter Gregorio – den ich letztes Jahr in New York gesehen hatte! Was für ein Zufall! Ich liebe solche Begegnungen — das sind Highlights , die zeigen, dass die Welt zwar groß ist, aber es doch so viele Verknüpfungen, so viele Fäden gibt, dass hin und wieder eine davon bei Bewegung im Raum berührt wird.
Peter ist auch zu einer Eröffnung unterwegs, bei Eigen Art, unterwegs mit Jan Kage. Wir unterhalten uns weiter auf dem Weg, bis wir in verschiedene Richtungen abbiegen. Er erzählt mir von einer weiteren Eröffnung im „Schaufenster“ in Kreuzberg, von der ich auch schon gehört hatte, und wo er mit ausstellt, leider nicht mehr. Dort aber Peter Gregorios Namensvetter Peter Dobroschke und andere.
Das Gespräch mit Ingo Gerken: Er lässt sich Zeit bei den Antworten, macht Pausen, wird dann mit der Zeit flüssiger, man kann ihm beim Denken zusehen. Gut zu sehen, dass er noch nicht in Antwortroutinen steckt, auch wenn er seine Konzepte schon lange verfolgt. Über 200 Bibliosculptures gibt es inzwischen immerhin! Auf diese Ideen bin ich fast neidisch.
P.S. Als ich diese Notizen wiederlese, kommen sie mir ziemlich langweilig vor. Ging dort und dort hin, traf den und den … Da müsste mehr Reflexion hinein, Verbindung, Begründung, warum man das jetzt aufschreibt …
16.1., Freitag
Abends ins Lichtblick-Kino, Magazinvorstellung (eigentlich ein Buch) zum Thema „Post-Truth“. Beiträge stammen von Adreas Lang, dessen dokumentarische Foto- und Filmarbeiten mir gut gefallen. Eine Brücke, Sturm zieht auf, einfach draufgehalten. Dann von Andreas Koch, der animierte Filme zeigt, mit Wahrnehmung spielt; einer dänischen Künstlerin, dann, als Stargast gewissermaßen, Boris Eldagsen. Theoretisch ist er versiert, technisch brillant, keine Frage, keiner versteht die Mechanismen von AI so gut, kann so mit Prompts, verschiedenen Bildgeneratoren und Datenbanken umgehen. Die Arbeiten, die er zeigt, finde ich allerdings größtenteils furchtbar. Dieser Holocaust-NS-Porn, von ihm auch noch als solcher bezeichnet. Dieses Super-Ironische, über allem Stehende. Ich weiß nicht. Da hilft es auch nicht viel, dass er seine persönliche Verbindung zum NS-Thema über seinen Vater herstellt, der Weltkriegsteilnehmer war, und über die gefundenen Photoabzüge vom Dachboden. Dagegen die (bild)theoretischen Unterscheidungen zwischen Photographie und „Promtographie“ – das ist schon sehr gut.
17.1., Samstag
Einladung von Angelika Stepken, ihren Geburtstag nachzufeiern, im „Schleusenkrug“, nähe Bahnhof Zoo. E. hatte sie in Florenz als Direktorin der Villa Romana kennengelernt und u.a. das Projekt „Unmapping the Renaissance“ mit ihr gemacht; ich kam damals auch in die Villa Romana. Gebe ihr einen der Kataloge “RE:VISION” vom Kunstverein Tiergarten – und sie weiß gleich Bescheid über den Vorgang; die Gestaltung des Einbandes erinnert sie an den Band, den sie zum Jubiläum der Villa Romana gemacht hatte.
Gäste aus der Kunst- und Kulturszene Berlins, viele ehemalige Stipendiaten der Villa Romana, auch Villa Massimo. Lerne kennen und unterhalte mich ganz gut mit Nina Fischer und Maroan el Sani, Erich Göngrich, Veit Stratmann, Christoph Keller.
18.1. Sonntag
In der Akademie der Künste, letzter Tag der Ausstellung „out of the box“, in der die Akademie ihr eigenes Archiv in den Mittelpunkt stellt, mit künstlerischen Interventionen, u.a. von Ingo Gerken, der auch selbst anwesend ist. Die Malerrolle, die zu einer Litfasssäule wird, auf einem Foto von Klaus Staeck – das ist schon sehr gut. E. verabschiedet sich, fährt weiter.
Mit Ingo dann noch zu einer anderen Ausstellung, in der Lindenstraße, den Räumen neben der Galerie Nordenhake, zum Thema Sport, „Riskier alles“. Treffe dort Stefan Alber.
Wieder zurück in die Akademie der Künste. Dort Knut Ebeling – der mich auf das Echo zum Denkmal anspricht, und meint, die Arbeit werde ja heiß diskutiert – was aber im Prinzip gut sei. Der Besuch im Archiv auch insofern interessant, als die Gründungsgeschichte gleich mit dem Nachlass von Heinrich Mann beginnt; was den Berlin-Bezug von Heinrich ganz klar unterstreicht und auch plausibel macht, dass er beim Denkmal in München nicht auftaucht.
Gehe nochmal beim Container in der Turmstraße neben dem Kunstverein vorbei, wo die Exemplare von RE:VISION „lagern“. Ziehe 9 Exemplare heraus und verstaue sie in Tasche und Rucksack – viel mehr geht nicht. Im Café Arema, das an der Birkenstraße auf der Linie der U‑9 Richtung Osloer liegt, lasse ich zwei Exemplare im Regal, bei anderen Büchern.
Anfrage vom einBuch.haus wegen einer Teilnahme an der Ausstellung der Library of Artistic Print Demand mit MUSTEREXEMPLAR. Gleich setze ich mich hin und bestelle weitere Exemplare, die ich dann an das einBuch.haus schicken lasse. Andreas Bülhoff ist ganz angetan von der Idee. Richtiger Print on Demand!
