13.–14.9.25 — Jour­nal- Open Stu­di­os — Uferhallen

Für den Neu­en Ber­li­ner Kunst­ver­ein habe ich Füh­run­gen durch die Ate­liers der Ufer­hal­len Ber­lin gemacht. Ohne selbst ein Ate­lier dort zu haben, bin ich mit meh­re­ren Künst­lern befreun­det und Mit­glied im Ufer­hal­len e.V. , dem Ver­ein, der sich als Inter­es­sen­ver­tre­tung nach dem Ver­kauf des Gelän­des grün­de­te. Die Tage der Offe­nen Ate­liers die­nen auch dazu, die Sicht­bar­keit der Ate­liers und der Men­schen, die dort arbei­ten, zu verstärken.

„13.–14.9.25 — Jour­nal- Open Stu­di­os — Ufer­hal­len“ wei­ter­le­sen

Die Unter­la­gen befin­den sich im Zustand der Abla­ge, Poe­sie und Ver­wal­tung aus dem Archiv des Künst­ler­ver­bund im Haus der Kunst e.V., Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te, München

20.3.2025 — 4.7.2025
Zen­tral­in­sti­tut für Kunstgeschichte

„Die Unter­la­gen befin­den sich im Zustand der Abla­ge, Poe­sie und Ver­wal­tung aus dem Archiv des Künst­ler­ver­bund im Haus der Kunst e.V., Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te, Mün­chen“ wei­ter­le­sen

Jour­nal 15.3.24 — Vater, Bil­der, ABC. “What is life?“

Heu­te ist es ein Jahr her, seit mein Vater gestor­ben ist. Es fühlt sich nicht solan­ge an. „Schon ein Jahr“ möch­te man sagen, und ist überrascht.

Sehe mir Fotos vom März letz­ten Jah­res auf dem Smart­phone an. Schon eine distan­zie­ren­de Ober­flä­che. Und selt­sam ernüch­ternd, was mit den Bil­dern des Toten und von der Beer­di­gung pas­siert, wenn sie im Mini-For­mat, neben allen mög­li­chen ande­ren Fotos auftauchen.

Ver­su­che, Fotos zu ord­nen. Beim Ver­bin­den des Smart­phones mit dem Lap­top, beim Mar­kie­ren von Fotos, um sie sie chro­no­lo­gisch in Ord­ner auf die Fest­plat­te zu ver­schie­ben, setzt sich der Vor­gang fort und lässt sich nicht mehr stop­pen – Kolon­nen von Bil­dern wan­dern auf dem Bild­schirm ruckelnd nach unten, bekom­men einen blau-trans­pa­ren­ten Schat­ten, der Zei­le für Zei­le vor­rückt. Der Rech­ner hängt sich auf, die Daten­men­gen waren wohl zu groß. 

Kli­cke mich teils durch die Ord­ner – es müs­sen über 70 sein – die mit „West­end­str.“ beschrif­tet sind. Es sind tau­sen­de von Fotos, die ich gemacht habe, vom Haus, von Objek­ten, von Schrift­stü­cken – und von Instal­la­tio­nen. Ich wer­de nur einen Bruch­teil davon je ver­öf­fent­li­chen können.

Suche nach einem, das zum heu­ti­gen Tag pas­sen könn­te, um es auf Insta­gram zu pos­ten. Da ist die Instal­la­ti­on mit alten Kof­fern, die ich vom Dach­bo­den aus abseil­te. Der Vater ist verreist …?

Da sind die Fotos aus dem Kel­ler­gang, wo er Kunst­dru­cke in einem Regal lager­te, und die Anfangs­buch­sta­ben der Künst­ler an die Wand schrieb, mit oran­ge­far­be­ner Krei­de. Jetzt, nach­dem das Regal leer­ge­räumt und abge­baut ist, tau­chen die Buch­sta­ben wie­der auf. Sys­te­ma­ti­sie­rungs­ver­su­che, die durch das Sam­meln und das Mate­ri­al selbst ver­deckt wurden.

Wei­ter kom­me ich, im Ord­ner „Diver­se“, wo ich alle abge­spei­chert habe, die zu sor­tie­ren ich noch kei­ne Zeit hat­te, auf die vie­len Fotos von den Ver­su­chen, noch wäh­rend des Aus­sor­tie­rens Bücher zu doku­men­tie­ren, u.a. die mit sei­nem Namen im Vorsatz/Titel. Das erscheint mir jetzt am bes­ten. Ich wer­de das mor­gen machen. 

Abends auf der Eröffnung/Einweihung von Albert Hiens Kunst-am-Bau-Arbeit “CAR­PE DIEM” im Oskar-von-Mil­ler-Gym­na­si­um in Mün­chen. Im gro­ßen Trep­pen­haus eines Uhren­turms am ver­klei­de­ten Gelän­der: Buch­sta­ben, Wör­ter lau­fen von oben nach unten, über­la­gern und wie­der­ho­len sich, Latei­ni­sche Sprü­che, die mit Zeit zu tun haben (TEM­PUS FUGIT, VITA BRE­VIS, ARS LON­GA, CAR­PE DIEM, wie es als Mosa­ik unten am Ein­gang auf­taucht …). Die­ses eph­eme­re Auf­leuch­ten passt schon sehr gut zum The­ma Zeit und zum Raum. Und Licht­in­stal­la­tio­nen sind unglaub­lich foto­gen. Viel­leicht, weil Foto­gra­fie ja selbst auf Licht­ein­fall reagiert.

Anschlie­ßend zur Finis­sa­ge der Aus­stel­lung “What is life” von Sebas­ti­an Pöll­mann in der Arto­thek. Sebas­ti­an ken­ne ich schon über 20 Jah­re, in den let­zen Jah­ren haben wir uns etwas aus den Augen ver­lo­ren, zwi­schen Ber­lin und Mün­chen, und dar­um freut es mich, noch sei­ne Arbei­ten zu sehen. Zeich­nun­gen, schnell, spon­tan, wit­zig. Dann digi­ta­li­siert und als Laser­cuts aus­ge­schnit­ten, auf­ge­hängt, als sich dre­hen­de Schat­ten­spie­le an die Wand pro­ji­ziert, was Über­la­ge­run­gen, Ver­zer­run­gen, neue Bil­der ergibt. All­tags­si­tua­tio­nen, War­ten, Rad­fah­ren, sich lie­ben. Lust­be­tont. “What is life“ als Titel. Ja, das fra­ge ich mich auch oft.

TT, Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöppingen

Albert Coers / Cars­ten Lis­e­cki: TT
Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöp­pin­gen
30.3. – 25.4.2021

„TT, Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöp­pin­gen“ wei­ter­le­sen

ani­ma­li­bri, Kunst­ver­ein Tier­gar­ten Ber­lin, 2012

Albert Coers: Biblioteca privata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C. 2012 (links), Biblioteca vitale, 2011 (Mitte), Biblioteca pendente 2011 (rechts)
Raum 1: Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C. 2012 (links), Biblio­te­ca vita­le, 2011 (Mit­te), Biblio­te­ca pen­den­te 2011 (rechts)
Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C.
Biblio­te­ca pen­den­te, 2011/2012

Albert Coers: Biblioteca Giardino Zoologico (2012) (links), ENCYCLOPEDIALEXANDRINA
Biblio­te­ca Giar­di­no Zoo­lo­gi­co (2012) (links), ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA, (2012) (rechts)
Albert Coers: I Classici dell'Arte - versione svizzera (2012), Enciclopedia critica dell'arte contemporanea (2012), Biblioteca botanica - fantasmini (2006)
Raum 3: I Clas­si­ci del­l’Ar­te — ver­sio­ne svi­z­zera (2012), Enci­clo­pe­dia cri­ti­ca del­l’ar­te con­tem­po­ra­nea (2012), Biblio­te­ca bota­ni­ca — fan­tas­mi­ni (2006)
Albert Coers: Enciclopedia critica dell'arte contemporanea (2012), I Classici dell'Arte - versione svizzera (2012), I SOLITI TITOLI (2011), Video

ani­ma­li­bri
kura­tiert von Ralf Hart­mann
Ein­zel­aus­stel­lung Solo Show
Kunst­ver­ein Tier­gar­ten — Gale­rie Nord, Ber­lin
Turm­stra­ße 75, 10551 Berlin

Eröff­nung Ope­ning: 15.3.2012
15.3. — 15.4. 2012

Beglei­tend erscheint die Publi­ka­ti­on
In this occa­si­on is published

Müde Bücher ( Salon Ver­lag Köln)

Für den Kunst­ver­ein Tier­gar­ten ent­wi­ckelt Albert Coers eine die Gale­rie umfas­sen­de Prä­sen­ta­ti­on sei­ner jüngst ent­stan­de­nen Arbei­ten zu Biblio­the­ken und Buch, ver­bun­den mit eigens für die Aus­stel­lung enwi­ckel­ten neu­en Arbei­ten, die auch die groß­flä­chi­ge Öff­nung der Gale­rie­fens­ter zum Stra­ßen­raum mit einbeziehen.

Gezeigt wer­den Arbei­ten aus den Jah­ren 2008 bis 2012, wie z. B. ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA, eine groß­for­ma­ti­ge Raum­in­stal­la­ti­on und Wand­col­la­ge mit Mate­ri­al aus der Biblio­thek von Alex­an­dria, die wesent­lich erwei­tert und durch skulp­tu­ra­le Ele­men­te ergänzt wird. Die Rei­he I TITO­LI SOLI bestehend aus Frot­ta­gen von Buch­ein­bän­den, wird zu asso­zia­tiv-erzäh­le­ri­schen Tableaus grup­piert; Müde Bücher, eine Serie von ein­zel­nen Büchern aus einer pri­va­ten Biblio­thek, wird die vor­her­ge­hen­de Ver­wen­dung von Büchern in einer Instal­la­ti­on ables­bar machen.
In Zusam­men­ar­beit mit loka­len Biblio­the­ken ent­steht eine orts­spe­zi­fi­sche Buch­in­stal­la­ti­on, die mit deren Bestän­den arbei­tet und sie tem­po­rär in den Gale­rie­raum verlagert.

Ver­an­stal­tun­gen
Events during the exhibition

Mitt­woch, 28. 3., 19.30 h
Mar­kus Kra­jew­ski (Bau­haus-Uni­ver­si­tät Wei­mar):
Bücher­raum­ord­nungs­ver­fah­ren.
Vor­trag und Gespräch mit Albert Coers

Diens­tag, 3. 4., 17.30 h
Füh­rung durch die Aus­stel­lung mit Ralf F. Hart­mann, Kurator

Frei­tag, 13. 4., 18 h
Aus­stel­lungs­rund­gang exhi­bi­ti­on tour, Albert Coers im Gespräch mit in con­ver­sa­ti­on with Ralf F. Hartmann

Die Aus­stel­lung wird geför­dert von
With fri­end­ly sup­port by

Golart Stif­tung, Erwin und Gise­la von Stei­ner Stif­tung, Rischart, München.

ani­ma­li­bri

Ani­ma­li­bri: der Titel ver­schmilzt Wor­te, die häu­fig als Gegen­sät­ze gebraucht wer­den: Ani­ma, See­le, Leben, und libri, Bücher. Gleich­zei­tig steckt in ihm auch Ani­mal (Lebe­we­sen, Tier), was zum Ort, der Gale­rie im Tiergar­ten passt. Bücher sind als etwas Leben­di­ges auf­ge­fasst, sie­he die Instal­la­tio­nen, sie­he auch die Arbeit Müde Bücher. Und Bücher pas­sen zum Ort, zur Gale­rie Nord als ehe­ma­li­ge Bibliothek. 

Im ers­ten Raum im Osten sind Bücher aus Pri­vat­bi­blio­the­ken in Fens­tern instal­liert. (Biblio­te­ca pri­vata R.F.H., C.G.E.B., A.J.C., 2012). Die Bücher stam­men je Fens­ter von einem Mit­glied des Kunst­ver­eins Tier­gar­ten. Die Anord­nung ver­sucht die Inter­es­sen der Besit­zer auf­zu­grei­fen: Im ers­ten Fens­ter eine recht­wink­li­ge, archi­tek­to­ni­sche Kon­struk­ti­on (Ralf Hart­mann, Archi­tek­tur­schwer­punkt, Schin­kel etc.), dane­ben eine eher kom­pak­te, „male­ri­sche“, wo Bücher über rus­si­schen Kon­struk­ti­vis­mus und Supre­ma­tis­mus zu fin­den sind (Clau­dia Beelitz), dann eine  geschich­te­te (Bücher von Albert Coers). Den­noch ent­steht eine Gesamt­form, die sich über die Fens­ter­front erstreckt.

Ange­sichts die­ser raum­grei­fen­den Instal­la­tio­nist die Hän­gung im Raum eher spar­sa­me, steht aber in Ver­bin­dung zum The­ma der Biblio­thek. An der Stirn­sei­te zwei Bün­del Leih­schei­ne (jeweils Aus­leih- und Rück­ga­be­quit­tun­gen), aus dem Pro­jekt Biblio­te­ca vita­le (2011), für das aus der Biblio­thek der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin – Grimm-Zen­trum hun­der­te Bücher zum The­ma „Leben“ aus­ge­lie­hen wur­den. Dies kor­re­spon­diert mit den grü­nen Stell­ver­tre­ter­kar­ten für aus­ge­lie­he­ne Bücher der Biblio­te­ca Bota­ni­ca, am ande­ren Ende der Gale­rie, an der Westwand.

An der Süd­wand: hän­gen 10 Stoff­ta­schen aus dem Pro­jekt Zet­tels Traum, 2011, gefüllt mit Büchern. Die Stoff­ta­schen stam­men von ver­schie­de­nen Ber­li­ner Filia­len der Hugen­du­bel-Ket­te. Dort kauf­te Coers ins­ge­samt 69 Exem­pla­re von Wah­rigs Wör­ter­buch, bis ihr Preis der­sel­be war wie von einem Exem­plar von Arnold Schmidts Zet­tels Traum, foto­gra­fier­te sie und tausch­te sie um bzw. brach­te sie zurück. Die Quit­tun­gen waren Bestand­teil der Arbeit. Am ande­ren Ende der Gale­rie sind zwei doku­men­ta­ri­sche Fotos der Arbeit zu sehen.

An der Süd- u. West­wand sind gra­fi­sche Arbei­ten zu sehen: I TITO­LI SOLI (2009–2012) („nur die Titel“, ein Spiel mit Titeln der Instal­la­ti­on I SOLI­TI TITO­LI,2009, aus der sich Müde Bücher ablei­te­te). Es sind Frot­ta­gen, Abrie­be von gepräg­ten Buch­ein­bän­den, die neu zu asso­zia­tiv-erzäh­le­ri­schen Tableaus grup­piert wur­den (zum The­ma „Ber­ge, Expe­di­tio­nen, (Lebens)gefahr“, z.T. asso­zia­tiv zum The­ma der Biblio­te­ca vita­le gegen­über, z.B. „wir wer­den leben“).Die Tech­nik des Abriebs, die u.a. in der Archäo­lo­gie ver­wen­det wird, um Inschrif­ten wie­der­zu­ge­ben, ist ein repro­du­zie­ren­des Ver­fah­ren mit eige­ner gra­phi­scher Qua­li­tät, zwi­schen Ori­gi­nal­zeich­nung und Druck­gra­phik. Die Serie kor­re­spon­dier­te mit Bild-Text-Kom­bi­na­tio­nen der Instal­la­ti­on mit Foto­ko­pien im Mittelraum.

Mit­tel­raum

In den Raum ein­ge­passt steht Scaf­fa­le (Biblio­te­ca Bota­ni­ca), eine Art begeh­ba­rer Pavil­lon aus Holz­re­ga­len, war Bestand­teil der Instal­la­ti­on Biblio­te­ca Bota­ni­ca, Kunst­mu­se­um Hei­den­heim, 2006. Dort war es Trä­ger­ele­ment für aus kom­mu­na­len Biblio­the­ken aus­ge­lie­he­ne Bücher zum The­ma „Bota­nik“. Durch die Schräg­stel­lung der Regal­bret­ter wur­den Asso­zia­tio­nen an Äste eines Bau­mes oder die Rip­pen eines Blat­tes geweckt. Im Kunst­ver­ein Tier­gar­ten wird auf des­sen eige­ne Biblio­thek zurück­ge­grif­fen: Kata­lo­ge, sonst im Raum hin­ter dem Emp­fang in einem gro­ßen Regal, wer­den „aus­ge­lie­hen“ und neu nach Grö­ße sor­tiert; und die Bret­ter ent­spre­chend in Schräg­stel­lung ange­passt. Es ent­steht eine neue Ord­nung. Das Regal hin­ter dem Emp­fang der Gale­rie Nord ist dage­gen leer.

Mit dem The­ma der Biblio­thek, mit dem der Abwe­sen­heit und Neu­krea­ti­on in Ver­bin­dung steht ENCY­CLO­PE­DI­A­LEX­AN­DRI­NA (2008–2012), eine Wand­col­la­ge mit Foto­ko­pien aus den Biblio­the­ken von Alex­an­dria – es gibt meh­re­re Städ­te die­ses Namens, nicht nur in Ägyp­ten, son­dern auch in Vir­gi­nia und in Ita­li­en. Sie bezieht sich auf die legen­dä­re Biblio­thek, die alles Wis­sen der Welt ver­sam­mel­te und deren Bestän­de auf rät­sel­haf­te Wei­se ver­schwun­den sind. „Von der Rose bleibt nur der Name übrig“ – heißt es in Umber­to Ecos Biblio­theks­ro­man „Der Name der Rose“. Von hier las­sen sich Ver­bin­dun­gen, zur Biblio­te­ca Bota­ni­ca her­stel­len, wie auch die Col­la­ge ein Spiel mit Bild- und Text­kom­bi­na­tio­nen und der Viel­deu­tig­keit von Namen ist.

Müde Bücher (2009/2012) ist eine Serie von ein­zel­nen Büchern aus der Biblio­thek eines ver­stor­be­nen Archi­tek­ten, an denen sich bei genaue­rem Hin­se­hen die vor­her­ge­hen­de Ver­wen­dung in einer Instal­la­ti­on able­sen lässt, die zu ihrer Ver­for­mung geführt hat. Sie sind cha­rak­te­ris­tisch für eine bil­dungs­bür­ger­li­che Biblio­thek der 1950er-70er Jah­re, wie sie Coers aus Erfah­rung sei­nes Eltern­hau­ses kennt. Prä­sen­tiert wer­den sie als skulp­tu­ra­le Ein­zel­ob­jek­te in einem Kar­ree von Sockeln. Die Objek­te waren Bestand­teil der Instal­la­ti­onSOLI­TI TITO­LI — LITO, 2009, im Fens­ter der Litho­gra­phie­werk­statt im Künst­ler­haus München.

Im Video­raum (im Raum, der hin­ter „Müde Bücher“ liegt) wur­de der Film I SOLI­TI TITO­LI (2009) gezeigt, der zwi­schen sach­li­cher Doku­men­ta­ti­on und eigen­stän­di­gem Blick auf eine Instal­la­ti­on steht. Zu sehen sind Bli­cke durch die gleich­na­mi­ge Instal­la­ti­on aus Büchern, die vor einem Fens­ter auf­ge­baut sind, auf Pas­san­ten und klei­ne all­täg­li­che Sze­nen, die, für sich banal, im Ver­ein mit den Buch­ti­teln neue Zusam­men­hän­ge ergeben.

Raum West

Mit dem Regal, aber auch mit den andern Leih­zet­teln kor­re­spon­diert Rappre­sen­tan­ti (Biblio­te­ca Bota­ni­ca), 2006/2012, Stell­ver­tre­ter­kar­ten aus grü­nem Kar­ton mit hand­schrift­lich ein­ge­tra­ge­nen Titeln und Biblio­theks­si­gna­tu­ren an der Quer­wand am Ende der Gale­rie. Sie mar­kier­ten in den Rega­len von kom­mu­na­len Biblio­the­ken Bücher, die asso­zia­tiv zum The­ma „Bota­nik“ aus­ge­lie­hen wur­den, ver­wie­sen auf etwas, das abwe­send, an einem ande­ren Ort war, und stell­ten dadurch eine neue Prä­senz her. Die Kar­ten sind nach dem ABC der Ver­fas­ser­na­men ange­ord­net, streng im Ras­ter. Die unter­schied­li­chen Grün­tö­ne der Kar­tei­kar­ten erge­ben aber ein unre­gel­mä­ßi­ges Muster.

Davor im Raum, zwei Boden, die mit Anklä­gen an Mini­ma­lis­mus spie­len: I Clas­si­ci del­l’Ar­te – ver­sio­ne svi­z­zera, 2012. Als mini­ma­lis­ti­sche Instal­la­ti­on am Boden: Bän­de der Rei­he I Clas­si­ci del Arte – Klas­si­ker der Kunst, eine in der Schweiz pro­du­zier­te Aus­ga­be der Bän­de über Kunst-Klas­si­ker aus Pri­vat­be­sitz (Biblio­thek von Bern­hard Coers, Vater von A.C.), ergänzt durch in Ber­li­ner Kom­mu­nal­bi­blio­the­ken ent­lie­he­ne Exem­pla­re (u.a. Biblio­thek Ste­glitz, Han­sa­bi­blio­thek, Bru­no-Lösche-Biblio­thek, Moa­bit). Die Bän­de sind mit dem Rücken nach oben gezeigt, mono­chrom, erin­nern an Stein­plat­ten. Ihre Her­kunft aus Biblio­the­ken ist aber an den Bar­codes ablesbar.

Enci­clo­pe­dia cri­ti­ca del­l’ar­te con­tem­po­ra­nea, 2012, Schu­ber von Kri­ti­sches Lexi­kons der Gegen­warts­kunst. Die lee­ren Schu­ber stam­men aus dem Bestand des Kunst­ver­eins Tier­gar­ten, der Inhalt befin­det sich auf dem Regal, als Qua­drat die lee­ren Hül­len, die farb­lich mit dem Boden kor­re­spon­die­ren. Sie erin­nern an Boden­skulp­tu­ren, etwa von Carl Andre.

Dane­ben sind wei­te­re Instal­la­tio­nen zu sehen, etwa der Kata­log der Biblio­te­ca Col­let­ti­va (2005). Hier sind in einem Kar­tei­kas­ten die Leih­schei­ne aus der ers­ten Buch­be­schaf­fung durch Aus­lei­he versammelt.

Foto­gra­fien von Instal­la­tio­nen sind eben­falls Zeug­nis­se, die über ihre doku­men­ta­ri­sche Funk­ti­on hin­aus Eigen­wert ent­wi­ckeln, so bei­spiels­wei­se in einer Serie von Pola­roids, bei denen beim Ent­wick­lungs­pro­zess Fehl­stel­len auf­tra­ten, die das Bild­mo­tiv teils unkennt­lich machen, dabei aber etwas Neu­es ent­ste­hen las­sen. Die Pola­roids sind mit Groß­bild­ka­me­ra auf­ge­nom­me­nen Pro­be­ab­zü­ge für end­gül­ti­ge Fotos, ent­stan­den 2008 bei der Aus­stel­lung Debut­an­ten. Sie zei­gen eine Buch­in­stal­la­ti­on, Bögen und Fenster.

Beglei­tet ist die Aus­stel­lung nicht durch einen „nor­ma­len“ Aus­stel­lung­ka­ta­log, son­dern durch eine als Künst­ler­buch gestal­te­te Publi­ka­ti­on, Coers’ ers­tes Foto­buch: Müde Bücher, erschie­nen im Salon Ver­lag, Köln, mit dem Text  „Ermü­det“ des Kunst­wis­sen­schaft­lers Wolf­gang Ullrich.

Das Buch wird in zwei Ein­band­va­ri­an­ten gedruckt, eine davon mit neu­tral-mono­chro­men Cover, das bei spä­te­ren Instal­la­tio­nen und Buch­skulp­tu­ren Ver­wen­dung fin­det (Biblio­te­ca con­ti­nua­ta, 2012, Sca­let­ta, Aus­stel­lung AVAN­ZI, Arto­thek Mün­chen, 2013.