Jour­nal, 15.1.–18.1.26 Begeg­nun­gen, Archi­ve, Musterexemplar

15.1., Don­ners­tag

Abends zum Künst­ler­ge­spräch mit Ingo Ger­ken in der Gale­rie Kuck­ei und Kuck­ei. In der U‑Bahn auf dem Weg dort­hin bin ich so mit Insta­gram beschäf­tigt – oder etwas ande­rem, dass ich das Aus­stei­gen in der Wein­meis­ter­str. ver­pas­se und zu weit fah­re – bis zum Alex­an­der­platz. Stei­ge in die U‑Bahn in der Gegen­rich­tung – und tref­fe dort Peter Gre­go­rio – den ich letz­tes Jahr in New York gese­hen hat­te! Was für ein Zufall! Ich lie­be sol­che Begeg­nun­gen — das sind High­lights , die zei­gen, dass die Welt zwar groß ist, aber es doch so vie­le Ver­knüp­fun­gen, so vie­le Fäden gibt, dass hin und wie­der eine davon bei Bewe­gung im Raum berührt wird.
Peter ist auch zu einer Eröff­nung unter­wegs, bei Eigen Art, unter­wegs mit Jan Kage. Wir unter­hal­ten uns wei­ter auf dem Weg, bis wir in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen abbie­gen. Er erzählt mir von einer wei­te­ren Eröff­nung im „Schau­fens­ter“ in Kreuz­berg, von der ich auch schon gehört hat­te, und wo er mit aus­stellt, lei­der nicht mehr. Dort aber Peter Gre­go­ri­os Namens­vet­ter Peter Dobrosch­ke und andere. 

Das Gespräch mit Ingo Ger­ken: Er lässt sich Zeit bei den Ant­wor­ten, macht Pau­sen, wird dann mit der Zeit flüs­si­ger, man kann ihm beim Den­ken zuse­hen. Gut zu sehen, dass er noch nicht in Ant­wort­rou­ti­nen steckt, auch wenn er sei­ne Kon­zep­te schon lan­ge ver­folgt. Über 200 Biblios­culp­tures gibt es inzwi­schen immer­hin! Auf die­se Ideen bin ich fast nei­disch.

P.S. Als ich die­se Noti­zen wie­der­le­se, kom­men sie mir ziem­lich lang­wei­lig vor. Ging dort und dort hin, traf den und den … Da müss­te mehr Refle­xi­on hin­ein, Ver­bin­dung, Begrün­dung, war­um man das jetzt aufschreibt …

16.1., Frei­tag

Abends ins Licht­blick-Kino, Maga­zin­vor­stel­lung (eigent­lich ein Buch) zum The­ma „Post-Truth“. Bei­trä­ge stam­men von Adre­as Lang, des­sen doku­men­ta­ri­sche Foto- und Film­ar­bei­ten mir gut gefal­len. Eine Brü­cke, Sturm zieht auf, ein­fach drauf­ge­hal­ten. Dann von Andre­as Koch, der ani­mier­te Fil­me zeigt, mit Wahr­neh­mung spielt; einer däni­schen Künst­le­rin, dann, als Star­gast gewis­ser­ma­ßen, Boris Eld­agsen. Theo­re­tisch ist er ver­siert, tech­nisch bril­lant, kei­ne Fra­ge, kei­ner ver­steht die Mecha­nis­men von AI so gut, kann so mit Prompts, ver­schie­de­nen Bild­ge­ne­ra­to­ren und Daten­ban­ken umge­hen. Die Arbei­ten, die er zeigt, fin­de ich aller­dings größ­ten­teils furcht­bar. Die­ser Holo­caust-NS-Porn, von ihm auch noch als sol­cher bezeich­net. Die­ses Super-Iro­ni­sche, über allem Ste­hen­de. Ich weiß nicht. Da hilft es auch nicht viel, dass er sei­ne per­sön­li­che Ver­bin­dung zum NS-The­ma über sei­nen Vater her­stellt, der Welt­kriegs­teil­neh­mer war, und über die gefun­de­nen Pho­to­ab­zü­ge vom Dach­bo­den. Dage­gen die (bild)theoretischen Unter­schei­dun­gen zwi­schen Pho­to­gra­phie und „Prom­to­gra­phie“ – das ist schon sehr gut.

17.1., Sams­tag

Ein­la­dung von Ange­li­ka Step­ken, ihren Geburts­tag nach­zu­fei­ern, im „Schleu­sen­krug“, nähe Bahn­hof Zoo. E. hat­te sie in Flo­renz als Direk­to­rin der Vil­la Roma­na ken­nen­ge­lernt und u.a. das Pro­jekt „Unmap­ping the Renais­sance“ mit ihr gemacht; ich kam damals auch in die Vil­la Roma­na. Gebe ihr einen der Kata­lo­ge “RE:VISION” vom Kunst­ver­ein Tier­gar­ten – und sie weiß gleich Bescheid über den Vor­gang; die Gestal­tung des Ein­ban­des erin­nert sie an den Band, den sie zum Jubi­lä­um der Vil­la Roma­na gemacht hatte.

Gäs­te aus der Kunst- und Kul­tur­sze­ne Ber­lins, vie­le ehe­ma­li­ge Sti­pen­dia­ten der Vil­la Roma­na, auch Vil­la Mas­si­mo. Ler­ne ken­nen und unter­hal­te mich ganz gut mit Nina Fischer und Maro­an el Sani, Erich Göng­rich, Veit Strat­mann, Chris­toph Keller.

18.1. Sonn­tag

In der Aka­de­mie der Küns­te, letz­ter Tag der Aus­stel­lung „out of the box“, in der die Aka­de­mie ihr eige­nes Archiv in den Mit­tel­punkt stellt, mit künst­le­ri­schen Inter­ven­tio­nen, u.a. von Ingo Ger­ken, der auch selbst anwe­send ist. Die Maler­rol­le, die zu einer Lit­fass­säu­le wird, auf einem Foto von Klaus Staeck – das ist schon sehr gut. E. ver­ab­schie­det sich, fährt weiter.

Mit Ingo dann noch zu einer ande­ren Aus­stel­lung, in der Lin­den­stra­ße, den Räu­men neben der Gale­rie Nor­den­ha­ke, zum The­ma Sport, „Ris­kier alles“. Tref­fe dort Ste­fan Alber.

Wie­der zurück in die Aka­de­mie der Küns­te. Dort Knut Ebe­l­ing – der mich auf das Echo zum Denk­mal anspricht, und meint, die Arbeit wer­de ja heiß dis­ku­tiert – was aber im Prin­zip gut sei. Der Besuch im Archiv auch inso­fern inter­es­sant, als die Grün­dungs­ge­schich­te gleich mit dem Nach­lass von Hein­rich Mann beginnt; was den Ber­lin-Bezug von Hein­rich ganz klar unter­streicht und auch plau­si­bel macht, dass er beim Denk­mal in Mün­chen nicht auftaucht.

Gehe noch­mal beim Con­tai­ner in der Turm­stra­ße neben dem Kunst­ver­ein vor­bei, wo die Exem­pla­re von RE:VISION „lagern“. Zie­he 9 Exem­pla­re her­aus und ver­staue sie in Tasche und Ruck­sack – viel mehr geht nicht. Im Café Are­ma, das an der Bir­ken­stra­ße auf der Linie der U‑9 Rich­tung Oslo­er liegt, las­se ich zwei Exem­pla­re im Regal, bei ande­ren Büchern.

Anfra­ge vom ein​Buch​.haus wegen einer Teil­nah­me an der Aus­stel­lung der Libra­ry of Artis­tic Print Demand mit MUS­TER­EX­EM­PLAR. Gleich set­ze ich mich hin und bestel­le wei­te­re Exem­pla­re, die ich dann an das ein​Buch​.haus schi­cken las­se. Andre­as Bül­hoff ist ganz ange­tan von der Idee. Rich­ti­ger Print on Demand!

13.–14.9.25 — Jour­nal- Open Stu­di­os — Uferhallen

Für den Neu­en Ber­li­ner Kunst­ver­ein habe ich Füh­run­gen durch die Ate­liers der Ufer­hal­len Ber­lin gemacht. Ohne selbst ein Ate­lier dort zu haben, bin ich mit meh­re­ren Künst­lern befreun­det und Mit­glied im Ufer­hal­len e.V. , dem Ver­ein, der sich als Inter­es­sen­ver­tre­tung nach dem Ver­kauf des Gelän­des grün­de­te. Die Tage der Offe­nen Ate­liers die­nen auch dazu, die Sicht­bar­keit der Ate­liers und der Men­schen, die dort arbei­ten, zu verstärken.

„13.–14.9.25 — Jour­nal- Open Stu­di­os — Ufer­hal­len“ wei­ter­le­sen

Die Unter­la­gen befin­den sich im Zustand der Abla­ge, Poe­sie und Ver­wal­tung aus dem Archiv des Künst­ler­ver­bund im Haus der Kunst e.V., Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te, München

20.3.2025 — 4.7.2025
Zen­tral­in­sti­tut für Kunstgeschichte

„Die Unter­la­gen befin­den sich im Zustand der Abla­ge, Poe­sie und Ver­wal­tung aus dem Archiv des Künst­ler­ver­bund im Haus der Kunst e.V., Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te, Mün­chen“ wei­ter­le­sen

Jour­nal 15.3.24 — Vater, Bil­der, ABC. “What is life?“

Heu­te ist es ein Jahr her, seit mein Vater gestor­ben ist. Es fühlt sich nicht solan­ge an. „Schon ein Jahr“ möch­te man sagen, und ist überrascht.

Sehe mir Fotos vom März letz­ten Jah­res auf dem Smart­phone an. Schon eine distan­zie­ren­de Ober­flä­che. Und selt­sam ernüch­ternd, was mit den Bil­dern des Toten und von der Beer­di­gung pas­siert, wenn sie im Mini-For­mat, neben allen mög­li­chen ande­ren Fotos auftauchen.

Ver­su­che, Fotos zu ord­nen. Beim Ver­bin­den des Smart­phones mit dem Lap­top, beim Mar­kie­ren von Fotos, um sie sie chro­no­lo­gisch in Ord­ner auf die Fest­plat­te zu ver­schie­ben, setzt sich der Vor­gang fort und lässt sich nicht mehr stop­pen – Kolon­nen von Bil­dern wan­dern auf dem Bild­schirm ruckelnd nach unten, bekom­men einen blau-trans­pa­ren­ten Schat­ten, der Zei­le für Zei­le vor­rückt. Der Rech­ner hängt sich auf, die Daten­men­gen waren wohl zu groß. 

Kli­cke mich teils durch die Ord­ner – es müs­sen über 70 sein – die mit „West­end­str.“ beschrif­tet sind. Es sind tau­sen­de von Fotos, die ich gemacht habe, vom Haus, von Objek­ten, von Schrift­stü­cken – und von Instal­la­tio­nen. Ich wer­de nur einen Bruch­teil davon je ver­öf­fent­li­chen können.

Suche nach einem, das zum heu­ti­gen Tag pas­sen könn­te, um es auf Insta­gram zu pos­ten. Da ist die Instal­la­ti­on mit alten Kof­fern, die ich vom Dach­bo­den aus abseil­te. Der Vater ist verreist …?

Da sind die Fotos aus dem Kel­ler­gang, wo er Kunst­dru­cke in einem Regal lager­te, und die Anfangs­buch­sta­ben der Künst­ler an die Wand schrieb, mit oran­ge­far­be­ner Krei­de. Jetzt, nach­dem das Regal leer­ge­räumt und abge­baut ist, tau­chen die Buch­sta­ben wie­der auf. Sys­te­ma­ti­sie­rungs­ver­su­che, die durch das Sam­meln und das Mate­ri­al selbst ver­deckt wurden.

Wei­ter kom­me ich, im Ord­ner „Diver­se“, wo ich alle abge­spei­chert habe, die zu sor­tie­ren ich noch kei­ne Zeit hat­te, auf die vie­len Fotos von den Ver­su­chen, noch wäh­rend des Aus­sor­tie­rens Bücher zu doku­men­tie­ren, u.a. die mit sei­nem Namen im Vorsatz/Titel. Das erscheint mir jetzt am bes­ten. Ich wer­de das mor­gen machen. 

Abends auf der Eröffnung/Einweihung von Albert Hiens Kunst-am-Bau-Arbeit “CAR­PE DIEM” im Oskar-von-Mil­ler-Gym­na­si­um in Mün­chen. Im gro­ßen Trep­pen­haus eines Uhren­turms am ver­klei­de­ten Gelän­der: Buch­sta­ben, Wör­ter lau­fen von oben nach unten, über­la­gern und wie­der­ho­len sich, Latei­ni­sche Sprü­che, die mit Zeit zu tun haben (TEM­PUS FUGIT, VITA BRE­VIS, ARS LON­GA, CAR­PE DIEM, wie es als Mosa­ik unten am Ein­gang auf­taucht …). Die­ses eph­eme­re Auf­leuch­ten passt schon sehr gut zum The­ma Zeit und zum Raum. Und Licht­in­stal­la­tio­nen sind unglaub­lich foto­gen. Viel­leicht, weil Foto­gra­fie ja selbst auf Licht­ein­fall reagiert.

Anschlie­ßend zur Finis­sa­ge der Aus­stel­lung “What is life” von Sebas­ti­an Pöll­mann in der Arto­thek. Sebas­ti­an ken­ne ich schon über 20 Jah­re, in den let­zen Jah­ren haben wir uns etwas aus den Augen ver­lo­ren, zwi­schen Ber­lin und Mün­chen, und dar­um freut es mich, noch sei­ne Arbei­ten zu sehen. Zeich­nun­gen, schnell, spon­tan, wit­zig. Dann digi­ta­li­siert und als Laser­cuts aus­ge­schnit­ten, auf­ge­hängt, als sich dre­hen­de Schat­ten­spie­le an die Wand pro­ji­ziert, was Über­la­ge­run­gen, Ver­zer­run­gen, neue Bil­der ergibt. All­tags­si­tua­tio­nen, War­ten, Rad­fah­ren, sich lie­ben. Lust­be­tont. “What is life“ als Titel. Ja, das fra­ge ich mich auch oft.

TT, Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöppingen

Albert Coers / Cars­ten Lis­e­cki: TT
Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöp­pin­gen
30.3. – 25.4.2021

„TT, Gale­rie F6, Künst­ler­dorf Schöp­pin­gen“ wei­ter­le­sen